Angeln: Trophäenjagd, Tierquälerei, Nahrungsbeschaffung

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie DAF Artikel
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Veröffentlicht am Oktober 08, 2013 , derzeit 1 Kommentar

Sportfischen: Nahrungserwerb oder Egobefriedigung?

Derzeit, eigentlich immer, prasselt vieles auf die Angler ein. Zunächst wurde vor kurzem auf dem NDR die Sendung „Angeln: Hobby mit Widerhaken“ ausgestrahlt. Hier wurden vor allem die negativen Seiten der Sportfischerei gezeigt: Bier trinkende Männer, die mit den in „Put-and-Take Seen“ (Forellenteiche, gern auch Forellenpuff genannt) gefangen Tieren alles andere als waidgerecht umgegangen sind. Die Reaktionen der Angler und der Sportfischereiverbände ließen nicht lange auf sich warten. Der „Landesfischerverbandes Niedersachsen“ hat gar einen offenen Brief an die Redaktion des Norddeutschen Rundfunks gesandt. Dem Verband ging es dabei vor allem um die einseitige Berichterstattung von diesen nicht in den Vereinen organisierten Anglern und bestätigt auch, dass die Fischerei in diesen kommerziellen See oft nicht mit dem Tierschutzgesetz in Einklang betrieben wird. Der NDR verweist in seiner offenen Antwort darauf, dass bewusst über diesen Wachstumsmarkt berichtet worden sei. Denn bei 3,5 Millionen Anglern in Deutschland seien eben nur eine Millionen Menschen in den Vereinen organisiert. Auch in diesem Beitrag findet sich der ewig rote Faden wieder: Können Fische Schmerzen empfinden?

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Vergangene Woche berichtete dann die TLZ, eine Regionalzeitung, über die anstehenden Lehrgänge zum Sportfischereischein in der Region, wie es vermutlich fast alle Regionalzeitungen machen. Die „Unabhängige Tierschutz-Union Deutschland“ hat daraufhin die Pressmitteilung „Angeln ist Tierquälerei“ veröffentlicht. Es sei ein Unding bereits Kinder und Jugendliche an dieses Hobby heranzuführen. Dies führe zu einer Verrohung der betroffenen Heranwachsenden.

Auch das renommierte und viel gelesene Online Magazin der „Zeit“, „Zeit online“ titelte: „Ein Foto mit dem Dicken“. Dieser Artikel schlägt in die Kerbe der Trophäenangler. Hintergrund ist, dass die Umsätze der Branche vor allem in den Angelbereichen massiv ansteigen, die der Trophäenfischerei dienen. Abhakmatten und Faltwannen sind dabei nur der Anfang. Ist der Vertrieb von solchen Artikeln damit eventuell sogar Beihilfe zur Tierquälerei?

Hintergrund: Der gesamtökonomische Nutzen der Angelfischerei wird auf 6,4 Milliarden Euro geschätzt. 52.000 Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt von der Angelfischerei abhängig. Das sind mehr Arbeitsplätze als in der gesamten deutschen Berufsfischerei. Der Fischfang mit der Angel (zum Nahrungserwerb) ist laut vielen Natur- und Tierschutzorganisationen die schonendste Art des Fischfangs (vor allem im Vergleich zu Langleinen und Schleppnetzen).

Die deutsche Rechtsprechung hat grundsätzlich nichts dagegen, wenn einem Tier Schmerzen oder Leid zufügt werden. Doch § 1 des Bundestierschutzgesetzes verlangt hierfür „einen vernünftigen Grund“. Und dieser vernünftige Grund wurde präzise genannt: Der Fang zum Zwecke der menschlichen Ernährung. Doch der Knackpunkt ist eben, dass der Berufsfischer den Fang als Lebensmittel verwertet, während eine immer größer werdende Zahl an Anglern den Fisch lediglich zur Befriedigung des eigenen Egos oder des Jagdtriebes benutzen. Das dies in vielen Ländern der Welt gang und gäbe und auch völlig legal ist, ist für die Journalisten zweitrangig, viel mehr geht es um die moralische Abhandlung, ob diese Form des Angeln mit dem Gewissen zu vereinbaren sei. Die einfache Frage ist, ob das noch vertretbar ist oder, ob das Trophäenangeln pure Tierquälerei ist?

Hier stützen sich dann wieder viele Angler auf die Aussage: Fische können keine Schmerzen empfinden! Das solle erst mal bewiesen werden, bevor man weiterreden könne. Die Krux ist, man kann den Fisch schlecht befragen. „Wir können noch nicht beweisen, dass Fische Schmerzen empfinden. Aber unserer Forschungen der vergangenen zehn Jahre erhärten den Verdacht, dass sie es können.“ Andere Wissenschaftler bestreiten das: „Schmerz und Leid gäbe es nur für Lebewesen mit Bewusstsein. Und das fehle den Fischen.“ Eventuell sollte jeder Angler diese Frage für sich selber entscheiden. Vor allem aber sollte kein Angler sein Handeln als den einzig richtigen Weg darstellen.

Subway_Fisch

Diese Fische empfinden sicher keinen Schmerz

Ob Fische Schmerzen empfinden können werden wir wohl nie erfahren, da wir den Fisch nicht befragen können. Der Mensch ist kaum in der Lage über sein eigenes Hirn zu forschen, da das untersuchte Objekt gleichzeitig auch das untersuchende ist. Das änderte sich erst durch die moderne Hirnforschung. Sich in ein fremden Organismus hineinzuversetzen ist derzeit völlig unmöglich. Der Aufsatz „Wie es ist, eine Fledermaus zu sein“ beschreibt dies sehr ansehnlich. Wenn es schon unvorstellbar ist, wie eine Fledermaus mit seinen Sinnesorganen und ohne Augen, wie die Menschen sie kennen, durch die Nacht zu fliegen, wie soll man sich dann in einen Fisch hineinversetzen? Fische haben Organe und Sinne, die kein Mensch besitzt und die auch jeglicher Vorstellungskraft entbehren. Kurzum: Jeder einzelne muss, unabhängig von der Gesetzgebung beziehungsweise dem Staatsgebiet, in der er fischt, für sich persönlich entscheiden, ob das Angeln mit dem Ziel des Zurücksetzens des gefangenen Fisches für ihn moralisch vertretbar ist. Wer Hilfe bei der Entscheidungssuche benötigt oder seine Meinung zu diesem Thema Kund tun möchte: Die Kommentarfunktion ist freigeschaltet.

1 Kommentar

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  1. Ich bin der Meinung das Fische sehr wohl Schmerzen empfinden können, wahrscheinlich nicht in dem Ausmaß wie wir Menschen, aber empfinden werden sie welche. Der sogenannte Forellenpuff ist mir auch ein Dorn im Auge, dort sind wirklich viele nicht nur unerfahrene, sondern auch dumme egoistische Angler am wirken. Es sollte auf jeden Fall mehr kontrolliert werden in solchen Einrichtungen.

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