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Angeln: Trophäenjagd, Tierquälerei, Nahrungsbeschaffung

Sportfischen: Nahrungserwerb oder Egobefriedigung?

Der­zeit, eigent­lich immer, pras­selt vie­les auf die Ang­ler ein. Zunächst wur­de vor kur­zem auf dem NDR die Sen­dung „Angeln: Hob­by mit Wider­ha­ken“ aus­ge­strahlt. Hier wur­den vor allem die nega­ti­ven Sei­ten der Sport­fi­sche­rei gezeigt: Bier trin­ken­de Män­ner, die mit den in „Put-and-Take Seen“ (Forel­len­tei­che, gern auch Forel­len­puff genannt) gefan­gen Tie­ren alles ande­re als waid­ge­recht umge­gan­gen sind. Die Reak­tio­nen der Ang­ler und der Sport­fi­sche­rei­ver­bän­de lie­ßen nicht lan­ge auf sich war­ten. Der „Lan­des­fi­scher­ver­ban­des Nie­der­sach­sen“ hat gar einen offe­nen Brief an die Redak­ti­on des Nord­deut­schen Rund­funks gesandt. Dem Ver­band ging es dabei vor allem um die ein­sei­ti­ge Bericht­erstat­tung von die­sen nicht in den Ver­ei­nen orga­ni­sier­ten Ang­lern und bestä­tigt auch, dass die Fische­rei in die­sen kom­mer­zi­el­len See oft nicht mit dem Tier­schutz­ge­setz in Ein­klang betrie­ben wird. Der NDR ver­weist in sei­ner offe­nen Ant­wort dar­auf, dass bewusst über die­sen Wachs­tums­markt berich­tet wor­den sei. Denn bei 3,5 Mil­lio­nen Ang­lern in Deutsch­land sei­en eben nur eine Mil­lio­nen Men­schen in den Ver­ei­nen orga­ni­siert. Auch in die­sem Bei­trag fin­det sich der ewig rote Faden wie­der: Kön­nen Fische Schmer­zen emp­fin­den?

Drill auf Island
Zurück­set­zen ist in Islands Sal­mo­ni­den-Flüs­sen Pflicht

Ver­gan­ge­ne Woche berich­te­te dann die TLZ, eine Regio­nal­zei­tung, über die anste­hen­den Lehr­gän­ge zum Sport­fi­sche­rei­schein in der Regi­on, wie es ver­mut­lich fast alle Regio­nal­zei­tun­gen machen. Die „Unab­hän­gi­ge Tier­schutz-Uni­on Deutsch­land“ hat dar­auf­hin die Press­mit­tei­lung „Angeln ist Tier­quä­le­rei“ ver­öf­fent­licht. Es sei ein Unding bereits Kin­der und Jugend­li­che an die­ses Hob­by her­an­zu­füh­ren. Dies füh­re zu einer Ver­ro­hung der betrof­fe­nen Her­an­wach­sen­den.

Auch das renom­mier­te und viel gele­se­ne Online Maga­zin der „Zeit“, „Zeit online“ titel­te: „Ein Foto mit dem Dicken“. Die­ser Arti­kel schlägt in die Ker­be der Tro­phä­en­ang­ler. Hin­ter­grund ist, dass die Umsät­ze der Bran­che vor allem in den Angel­be­rei­chen mas­siv anstei­gen, die der Tro­phä­en­fi­sche­rei die­nen. Abhak­mat­ten und Falt­wan­nen sind dabei nur der Anfang. Ist der Ver­trieb von sol­chen Arti­keln damit even­tu­ell sogar Bei­hil­fe zur Tier­quä­le­rei?

Hin­ter­grund: Der gesamt­öko­no­mi­sche Nut­zen der Angel­fi­sche­rei wird auf 6,4 Mil­li­ar­den Euro geschätzt. 52.000 Arbeits­plät­ze sind direkt oder indi­rekt von der Angel­fi­sche­rei abhän­gig. Das sind mehr Arbeits­plät­ze als in der gesam­ten deut­schen Berufs­fi­sche­rei. Der Fisch­fang mit der Angel (zum Nah­rungs­er­werb) ist laut vie­len Natur- und Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen die schon­ends­te Art des Fisch­fangs (vor allem im Ver­gleich zu Lang­lei­nen und Schlepp­net­zen).

Die deut­sche Recht­spre­chung hat grund­sätz­lich nichts dage­gen, wenn einem Tier Schmer­zen oder Leid zufügt wer­den. Doch § 1 des Bun­des­tier­schutz­ge­set­zes ver­langt hier­für “einen ver­nünf­ti­gen Grund”. Und die­ser ver­nünf­ti­ge Grund wur­de prä­zi­se genannt: Der Fang zum Zwe­cke der mensch­li­chen Ernäh­rung. Doch der Knack­punkt ist eben, dass der Berufs­fi­scher den Fang als Lebens­mit­tel ver­wer­tet, wäh­rend eine immer grö­ßer wer­den­de Zahl an Ang­lern den Fisch ledig­lich zur Befrie­di­gung des eige­nen Egos oder des Jagd­trie­bes benut­zen. Das dies in vie­len Län­dern der Welt gang und gäbe und auch völ­lig legal ist, ist für die Jour­na­lis­ten zweit­ran­gig, viel mehr geht es um die mora­li­sche Abhand­lung, ob die­se Form des Angeln mit dem Gewis­sen zu ver­ein­ba­ren sei. Die ein­fa­che Fra­ge ist, ob das noch ver­tret­bar ist oder, ob das Tro­phä­en­an­geln pure Tier­quä­le­rei ist?

Hier stüt­zen sich dann wie­der vie­le Ang­ler auf die Aus­sa­ge: Fische kön­nen kei­ne Schmer­zen emp­fin­den! Das sol­le erst mal bewie­sen wer­den, bevor man wei­ter­re­den kön­ne. Die Krux ist, man kann den Fisch schlecht befra­gen. “Wir kön­nen noch nicht bewei­sen, dass Fische Schmer­zen emp­fin­den. Aber unse­rer For­schun­gen der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re erhär­ten den Ver­dacht, dass sie es kön­nen.” Ande­re Wis­sen­schaft­ler bestrei­ten das: „Schmerz und Leid gäbe es nur für Lebe­we­sen mit Bewusst­sein. Und das feh­le den Fischen.“ Even­tu­ell soll­te jeder Ang­ler die­se Fra­ge für sich sel­ber ent­schei­den. Vor allem aber soll­te kein Ang­ler sein Han­deln als den ein­zig rich­ti­gen Weg dar­stel­len.

Subway_Fisch
Die­se Fische emp­fin­den sicher kei­nen Schmerz

Ob Fische Schmer­zen emp­fin­den kön­nen wer­den wir wohl nie erfah­ren, da wir den Fisch nicht befra­gen kön­nen. Der Mensch ist kaum in der Lage über sein eige­nes Hirn zu for­schen, da das unter­such­te Objekt gleich­zei­tig auch das unter­su­chen­de ist. Das änder­te sich erst durch die moder­ne Hirn­for­schung. Sich in ein frem­den Orga­nis­mus hin­ein­zu­ver­set­zen ist der­zeit völ­lig unmög­lich. Der Auf­satz „Wie es ist, eine Fle­der­maus zu sein“ beschreibt dies sehr ansehn­lich. Wenn es schon unvor­stell­bar ist, wie eine Fle­der­maus mit sei­nen Sin­nes­or­ga­nen und ohne Augen, wie die Men­schen sie ken­nen, durch die Nacht zu flie­gen, wie soll man sich dann in einen Fisch hin­ein­ver­set­zen? Fische haben Orga­ne und Sin­ne, die kein Mensch besitzt und die auch jeg­li­cher Vor­stel­lungs­kraft ent­beh­ren. Kurz­um: Jeder ein­zel­ne muss, unab­hän­gig von der Gesetz­ge­bung bezie­hungs­wei­se dem Staats­ge­biet, in der er fischt, für sich per­sön­lich ent­schei­den, ob das Angeln mit dem Ziel des Zurück­set­zens des gefan­ge­nen Fisches für ihn mora­lisch ver­tret­bar ist. Wer Hil­fe bei der Ent­schei­dungs­su­che benö­tigt oder sei­ne Mei­nung zu die­sem The­ma Kund tun möch­te: Die Kom­men­tar­funk­ti­on ist frei­ge­schal­tet.

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Ein Kommentar

  1. Ich bin der Mei­nung das Fische sehr wohl Schmer­zen emp­fin­den kön­nen, wahr­schein­lich nicht in dem Aus­maß wie wir Men­schen, aber emp­fin­den wer­den sie wel­che. Der soge­nann­te Forel­len­puff ist mir auch ein Dorn im Auge, dort sind wirk­lich vie­le nicht nur uner­fah­re­ne, son­dern auch dum­me ego­is­ti­sche Ang­ler am wir­ken. Es soll­te auf jeden Fall mehr kon­trol­liert wer­den in sol­chen Ein­rich­tun­gen.

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