2015Meerforelle

Meerforellenangeln im Fluss in SH

Meerforellen-Aufsteiger in Schleswig-Holstein

Moritz und ich hat­ten eini­ges zu bespre­chen und ent­schlos­sen uns kurz­fris­tig das Gespräch ans Was­ser zu ver­le­gen. Nach­dem Moritz mir von sei­nen letz­ten Fän­gen an einer Nord­deut­schen-Au berich­te­te, war das Gewäs­ser schnell gewählt. Der Ziel­fisch war einer mei­ner Lieb­lin­ge, die Meer­fo­rel­le. Meer­fo­rel­len­an­geln in der Ost­see ist schon eine schö­ne Ange­le­gen­heit, doch das Fischen auf Auf­stei­ger, also Meer­fo­rel­len, die das Meer ver­las­sen haben, um im Fluss bezie­hungs­wei­se Bach oder Au dem Laich­ge­schäft nach­zu­ge­hen, ist noch ein­mal deut­lich span­nen­der. In jeder Kur­ve, unter jedem Busch oder jeder Was­ser­pflan­ze kann ein guter Fisch ste­hen, der das Was­ser im Drill zum Kochen bringt. Zumin­dest in der Theo­rie, in der Pra­xis ist es eher so, dass man unzäh­li­ge von Stun­den am Fluss ver­brin­gen kann ohne auch nur einen Kon­takt zu bekom­men. Wie so häu­fig beim Angeln ist das Timing beim Auf­stei­ger Fischen wohl der ent­schei­den­de Fak­tor. Die Jah­res­zeit stimmt und zuletzt gab es rela­tiv viel Regen in unse­rer Regi­on, der den Was­ser­pe­gel stei­gen ließ. Gute Vor­aus­set­zun­gen für Meer­fo­rel­len, die auf­stei­gen wol­len.

Meerforellen in der Au
Eine Stre­cke wie aus dem Bil­der­buch

Am ers­ten Spot ange­kom­men angel­ten wir uns Stück für Stück die klei­ne Au hin­auf, die teil­wei­se  nur so breit war, dass man sie über­sprin­gen konn­te. Trotz des schma­len Gewäs­sers fisch­ten wir 3m lan­ge Ruten mit aus­rei­chend Rück­grat, um auch einen guten Fisch bes­ser kon­trol­lie­ren zu kön­nen. Des Wei­te­ren muss man mit der län­ge­ren Rute nicht so nah ans Was­ser, ver­rin­gert so die Scheuch­wir­kung. Auf der ers­ten Stre­cke scheuch­ten wir aller­dings weder durch unse­re Gesprä­che noch durch die Spin­ner und Wob­bler eine Meer­fo­rel­le auf, so dass wir nach cir­ka 1,5 Stun­den an eine ande­re hei­ße Stre­cke fah­ren woll­ten. Auf dem Weg dort­hin mach­ten wir noch einen kur­zen Zwi­schen­stopp an einer Stel­le, an der Moritz kürz­lich eine 50cm + Meer­fo­rel­le fan­gen konn­te. Das beson­de­re an die­sem Fisch war, dass er Biss­spu­ren an der Sei­te auf­wies, die unse­rer Ver­mu­tung nach von einem gro­ßen Meer­fo­rel­len-Bock stamm­ten.

gebissene Meerforelle
“Schnabel“Abdrücke von einem gro­ßen Bock

Wir woll­ten also gucken, ob der Bock es sich an der Stel­le gemüt­lich gemacht hat­te. Auf dem Weg zu die­sem Spot sahen wir die ers­te Forel­le des Tages. Ein Fisch um die 50cm, der sich zügig fluss­auf­wärts beweg­te nach­dem er uns gese­hen hat­te. Da die­ser Fisch offen­sicht­lich weg war, ging es an den Spot an dem Moritz den Bok ver­mu­te­te. Eine klei­ne Kur­ve, die bis auf ein klei­nes frei­es Stück kom­plett mit Was­ser­pflan­zen zuge­wach­sen war. Die ers­ten Wür­fe brach­ten kei­nen Kon­takt, doch dann schoss ein gefärb­ter, gro­ßer Milch­ner von unge­fähr 75cm auf den Spin­ner. Der Haken fass­te lei­der nicht und so konn­te sich der sich der Fisch zügig wie­der befrei­en. Wei­te­re Wür­fe brach­ten kei­nen Kon­takt und so muss Moritz die Ecke bald wohl noch ein­mal auf­su­chen.

Spinnfischen Meerforelle im Fluss
Erst­klas­si­ger Fisch — Petri Moritz!

Die nächs­te Stre­cke sah aus wie gemalt: umge­kipp­te Bäu­me, viel­ver­spre­chen­de, tie­fe Kur­ven und hin und wie­der eine klei­ne Rau­sche. Hier konn­ten wir diver­se Bar­sche und ich eine Bach­fo­rel­len fan­gen. Die Meer­fo­rel­len soll­ten aber Moritz vor­be­hal­ten sein, auch wenn ich die Gele­gen­heit hat­te eine zu fan­gen. Eine klei­ne­re gefärb­te Forel­le ver­folg­te mei­nen Hard­bait in Sicht­wei­te zwar zwei­mal, pack­te aber nicht zu. Nach­dem ich es erfolg­los mit ande­ren Ködern pro­bier­te, kam Moritz vor­bei und ließ sei­nen Wob­bler unter einen Baum trei­ben. Scherz­haft sag­te ich in dem Moment, “ich neh­me schon mal mei­ne Rute für den Drill aus dem Weg”. Als ich es gera­de aus­ge­spro­chen hat­te, setz­te Moritz einen zünf­ti­gen Anhieb und das Was­ser explo­dier­te direkt vor dem Baum. Eine dicke, mit­te 60er Meer­fo­rel­le hat­te sich sei­nen Wob­bler geschnappt und mach­te ordent­lich Radau. Ich griff zum Kescher, stieg ins Was­ser und konn­te den Fisch nach eini­gen Fluch­ten, die Moritz rou­ti­niert parier­te, lan­den. Was für ein Fisch und das auf Ansa­ge! Die Freu­de war rie­sig und es wur­de kurz geju­belt! Nach­dem ein paar Fotos gemacht wur­den, durf­te der Fisch wie­der in sein Ele­ment.

Nach die­sem High­light fisch­ten wir noch eini­ge Stun­den wei­ter. Ich konn­te neben wei­te­ren Bar­schen noch eine Bach­fo­rel­le ver­bu­chen. Mit einer Meer­fo­rel­le soll­te es aber nicht klap­pen, obwohl eine schö­ne Bug­wel­le gleich drei­mal mei­nen Köder ver­folg­te, bekam ich kei­ne Atta­cke. Da Moritz noch eine wei­te­re Meer­fo­rel­le (Anfang 40) fan­gen konn­te, habe ich defi­ni­tiv noch eine offe­ne Rech­nung. Das Gewäs­ser wird mich auf jeden Fall wie­der sehen, ich freue mich schon.

Hier fin­det Ihr wei­te­re Arti­kel zum Meer­fo­rel­len­an­geln, die grün/orangene DaF Cap gibt es hier.

Vie­len Dank für die­sen fan­tas­ti­schen Tag Moritz!

Gruß in die Run­de, Sören

P.S.: Das infor­ma­ti­ve Buch zum Meer­fo­rel­len­an­geln im Fluß inklu­si­ve Bio­lo­gie — Angel­plät­ze — Stra­te­gi­en für Spinn- und Flie­gen­fi­scher gibt es von North Gui­ding:

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Sören

Ich habe 2009 den DaF Blog bzw. 2014 den Shop gestartet und seit dem habe ich viel Zeit und Liebe in "mein Baby" gesteckt. Die Zeiten mit einer dreistelligen Anzahl an Angeltagen im Jahr sind vorbei, aber natürlich bin ich noch so häufig wie möglich am Wasser, um Süß- und Salzwasserräuber zu ärgern.

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3 Kommentare

  1. Hal­lo an‘s DAF-Team,

    ich lese gern und vor­be­halt­los eure Storie‘s. Ich bin eben­falls lei­den­schaft­li­cher Ang­ler, der das „catch and release“ prak­ti­ziert.

    Jetzt aber mal eine Fra­ge zum Kom­men­tar,
    „Im Prin­zip ist es doch egal, ob man den Fisch einen Monat frü­her oder spä­ter dem Stress aus­setzt, bzw. ent­nimmt.“
    Ich ver­ste­he nicht, wie das egal sein kann, ob ich den Fisch vor oder nach dem Laich­ge­schäft ent­neh­me. Und ich fin­de auch nicht, dass ein Argu­ment, wie,
    „in vie­len Län­dern hat das eine lan­ge Tra­di­ti­on…“
    hier ange­bracht ist. In sol­chen Län­dern ist der Umfang der Popu­la­ti­on eine ganz ande­re, als unse­re sie­ben MeFo‘s in einem Bach in Meck­Pom oder Schles­wig Hol­stein. (Ach­tung: bewusst über­spitzt!)

    Ich bin offen für fun­dier­te Gegen­ar­gu­men­te, andern­falls muss ich mich dem Nörg­ler anschlie­ßen,
    „wid­met euch den MeFo‘s, wenn sie ihr Braut­kleid abge­legt haben“.

    Ich habe nicht die Absicht, hier zu pöbeln, nur das woll­te ich mal zu den­ken geben.

    Bis dahin, „tight lines“!

  2. Leu­te Leu­te,

    so schön das Forel­len­an­geln auch ist, aber Fische die zum Lai­chen in die Flüs­se abwan­dern soll­te man in Ruhe las­sen. Selbst wenn ihr Euch als CnR Fischer auf die Schul­ter klopft, die Fische haben Stress und nicht jeder Fisch über­steht die Pro­ze­dur unbe­scha­det.

    Lasst die Mefos doch im Som­mer in Ruhe und küm­mert Euch im Früh­jahr und Herbst um die Über­sprin­ger und Abstei­ger nach­dem sie Ihr Hoch­zeits­kleid abge­legt haben.…

    1. Hey anony­mer Nörg­ler,

      bei dem The­ma kann man sehr weit Aus­ho­len und für ver­schie­de­ne Ansich­ten argu­men­tie­ren…
      Das man nicht (gezielt) auf Abstei­ger angelt, ist sicher allen Betei­lig­ten klar. Das Auf­stei­ger-Fischen im Fluss ist nun mal die anspruchs­volls­te Art und Wei­se, um Meer­fo­rel­len (oder Lach­se) zu fan­gen. Nicht umsonst hat es in vie­len Län­dern eine lan­ge Tra­di­ti­on und hohen Stel­len­wert. Im Prin­zip ist es doch egal, ob man dem Fisch im z.B. einen Monat frü­her oder spä­ter den Stress aus­setzt und/oder ent­nimmt. Im Schnitt ist der Drill mMn im Fluss deut­lich kür­zer als im Meer, was in Rela­ti­on weni­ger Stress bedeu­tet. Es gibt übri­gens auch genug Fische die schon im Früh­jahr auf­stei­gen. Wenn die Fische einen sehr lan­gen Auf­stieg haben, pas­siert dies mehr oder weni­ger das gan­ze Jahr über.

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