Top Gerät für Angler: Simrad Echolot GO7 XSE

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie Ausrüstung / Tackle
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Veröffentlicht am Juni 26, 2017 , derzeit Keine Kommentare

Simrad GO7 XSE im Praxis-Test

Simrad, seit vielen Jahren ein fester Begriff bei Berufsfischern und Meeresforschern, etabliert sich unter der Mutter Navico und neben der Schwester Lowrance auch im Konsumerbereich mehr und mehr als feste Größe auf dem Markt. Besonders interessant im mittleren Preissegment ist, neben den 5´und 9´ Varianten, das 7´Simrad GO7 XSE. Es ist technisch weitgehend baugleich mit dem Lowrance Elite 7 Ti, benutzt die gleichen Geber und bedient in der Steuerung, wie viele der Konkurrenzprodukte, die Touch Gewohnheiten der Handygeneration.

Simrad GO7 XSE Echolot

Im zeitgemäßen Look präsentiert sich der 7´Bestseller G7 xse aus dem Simrad Programm, hier „touchfertig“ mit dem Startbildschirm im Hauptmenü

Simrad GO7 XSE – Was man für sein Geld bekommt

Im Echolotbereich stellt das Simrad GO7 XSE Chirp/Breitband Sonar mit den typischen 83/200Khz Leitfrequenzen und ein hochfrequentes Strukturscan(455/800Khz) zur Verfügung. Nach Navico Lesart beinhaltet letzteres Down- und Sidescan Optionen. Passend zum Gerät wird ein Totalscan Geber angeboten, der die genannten Echospielarten in einem einzigen Gehäuse vereint. Ein separater Strukturscan Sender ist hier nicht vonnöten. Die Echolottechnik des Simrad GO7 XSE ergänzt ein vollausgestatteter Plotter. Der wiederum lässt sich mit Navionics , C-Map oder NV Digiltal Seekarten füttern und verdaut, ebenso wie bei Lowrance, Inside Genesis Dateien, die sich fertig, oder mit dem Gerät selbst erstellt, aus praktisch jedem Gewässer generieren lassen. Das GO7 XSE ist netzwerk- (NMEA2000) und wlanfähig, so dass z.B. Updateprüfung und mit der Gofree App auch Smartfunktionen mit dem Handy/Tablet möglich sind.

Simrad GO7 XSE – Funktionen und Technik

Einmal aufgebaut, überzeugt das Simrad GO7 XSE, anders als das technische Gegenstück Lowrance Elite 7ti, durch seine klare Formsprache. So zu sehen in der modernen Linienführung mit wenigen sichtbaren Gehäuseelementen im Frontalblick und der stilistisch passenden Bügelhalterung, die auch unter ungünstigen Bedingungen ausreichende Stabilität verspricht. Leider sind die Halterung selbst und die schlecht zentrierten Rändelschrauben alles andere als hochwertig, erfüllen den ihnen zugedachten Zweck aber ordentlich. Der Ein/Ausschalter des Simrad liegt berührungsempfindlich unter Glas, das Touchscreen selbst funktioniert leicht und praktisch fehlerfrei. Die Multitouchmöglichkeiten (z.B. Zoomen) tun ein Übriges um auch hartnäckige Verfechter der Tastenbedienung zu überzeugen, dass Schnelligkeit, Komfort und Bequemlichkeit für diese Art der Steuerung eines Echolotes sprechen, solange starker Regen und Verschmutzungen(offenes Boot) oder kräftiger Seegang die Bediensicherheit nicht beeinträchtigen können.

Der Einstieg in das Menüsystem des Gerätes erfordert etwas Zeit, da die Einstellungsoptionen ausgelotet und die Individualisierungsmöglichkeiten vielfältig genutzt werden sollten. Wer die Handhabung eines Smartphones mit den systemtypischen Icons kennt, wird sich bei diesem Gerät bedientechnisch aber schnell zu Hause fühlen. Aus dem Hauptmenü ist man per Touch in den Funktionsbereichen und von dort genauso schnell in den gewünschten Verzweigungen. Dialogmenüs holt man über den Menübutton und schließt sie adäquat wieder ab.

Simrad Go7 XSE Echolot Rückseite - Stecker

Das Simrad Go7 XSE von der Rückseite. Unter der flexiblen Gummiabdeckung befindet sich der SD Karten Schacht

Das erste Fragezeichen taucht auf, wenn man eine Micro SD Karte nutzen möchte, um z.B. Seekarten zu laden, Screencopies aufzuspielen oder Gewässer zu kartographieren. Was die Entwickler bei Simrad geritten hat, den Kartenschacht auf der Geräterückseite zu verbannen, würde ich mir gerne einmal erklären lassen. Wie soll ein Kartenwechsel funktionieren, wenn das Gerät bündig eingebaut oder nahe an einer Bordwand auf der Halterung steht? In solchen Fällen wäre jeweils ein Ab- und Anbau des Gerätes erforderlich nur um z.B. eben mal schnell die Charts gegen ein Speichermedium auszutauschen.

Dass es auch anders geht, zeigt z.B. die Garmin Produktpalette, wo der SD Kartenwechsel jederzeit problemlos von vorn möglich ist. Screencopies werden übrigens beim GO7 XSE standardmäßig im internen Gerätespeicher abgelegt. Wie sie auf eine SD Karte zu bekommen sind, war mit dem Handbuch (180 S.) leider nicht abschließend zu klären, erst ein Softwareupdate des Gerätes brachte den entscheidenden Hinweis. Trotz dieser kleinen Stolpersteine macht es Freude mit dem Simrad Go7 zu arbeiten.

Echolot mit go free App nutzen

Zwei Klicks auf die gofree App am Smartphone bringt umgehend das Echolotbild aufs Handy

Simrad GO7 XSE – Bildschirm

Der Bildschirm überzeugt. Bestwerte bei Helligkeit und Kontrast erlauben, auch unter ungünstigen Bedingungen, den Bildschirm einwandfrei abzulesen. Bei einer Auflösung von 800×480 Pixel erhält man ein konturenscharfes und farblich differenziertes Bild, das es leicht macht, Details in Echolotbildern sicher zu erkennen oder lohnende Angelstellen auf der Seekarte zu finden. Der Zugang zum heimischen Netzwerk oder die erfolgreiche Kommunikation über Wlan ist mit der üblichen Prozedur schnell eingerichtet. Mit der Gofree App auf dem Smartphone und installiertem Wlan Zugang(PW Internes Wlan) zaubert sich die Geräteanzeige dann auch aufs Handy oder Tablet.


Simrad GO7 XSE – Navigieren

Im Plotterbereich ist das Simrad Go7 XSE mit dem GPS Klassenprimus Garmin auf Augenhöhe. Was die Seekartenoptionen angeht, sogar ein Stück weit in Front, da Garmin neben den eigenen Charts keine Alternative von Drittanbietern zulässt. Hardwareseits werkelt im Testkandidaten ein 10Hz GPS Modul, das die aktuelle Position 10 mal pro sec. abfragt und damit auch bei langsamen Schiffsbewegungen den genauen Standort auf der Karte kontinuierlich nachhält. Sehen lassen kann sich auch die GPS Empfindlichkeit des Gerätes. Das hatte ich von älteren Lowrance Geräte noch anders in Erinnerung. Im Vergleich zu einem aktuellen Garmin Echomap Gerät braucht das Simrad Go etwa die gleiche Zeit um Satelliten mit ausreichender Signalstärke zu finden, ist aber zählbar schneller navigationsbereit. Das spricht schon einmal für sich.

C-Map Max-N+ Bathymetrische Karten

C-Map Max-N+ Bathymetrische Karten mit Reliefschattierung (links) zeigen auf einen Blick wie es unter Wasser aussieht. Steilhänge und Flachstellen sind sofort auszumachen, rechts zum Vergleich die Karte von Navionics+(2015)

Am Funktionsumfang des Kartenplotters dürften auch anspruchsvolle Nutzer wenig zu mäkeln haben. Ein ausgefeiltes Wegepunkt Management und die Planungssoftware TripIntel, um nur zwei Eckpunkte zu nennen, lassen eine Vielzahl individueller Optionen zu und bieten alle Möglichkeiten sie den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Leider wird oft verkannt, dass die Plotterhardware ohne passende Seekarten nicht einmal die Grundbedürfnisse einer effizienten Anwendung bedienen kann. Wir haben uns deshalb einmal eine aktuelle C-Map MAX-N+ Kartenoption für das Gerät angeschaut. Insbesondere die hochauflösenden Angelkarten(High-Resolution Fishing Charts) mit Tiefenlinien, der Tiefenschattierungen unterlegt werden können(Custom Shaded Depths) sind für den Angler ungemein wertvoll. Als Planungsgrundlage für die Hotspot Tracks und die Identifizierung von Brüchen, Kanten, Plateaus oder Unterwasserbergen gibt es kein besseres Hilfsmittel. Das Echolot mag ja bei der Feinjustierung vor Ort nützlich sein, die Seekarte macht aber erst eine großflächige Hotspotsuche möglich. Wie gut die C-Map Karte in dieser Hinsicht ist, gibt der Bildvergleich von einer bekannten Topstelle in der Hardanger Region wieder. Die C-Map Karte bietet zudem zahlreiche Overlays in der Kartendarstellung an. Eine 3-D Darstellung ist auch im Angebot, ebenso das Autorouting, das zu einem vorgegebenen Ziel automatische eine passende und sichere Route berechnet, nach der man navigieren kann.

Rundherum ein gelungenes Paket, das im Funktionsumfang und den Möglichkeiten dem Navionics Charts ebenbürtig ist. Auf dem Wasser konnte ich Plotter und Seekarten in Teilbereichen ausprobieren und hatte in puncto Leistungsfähigkeit beider Komponenten keine Verbesserungswünsche. Den Umgang mit dem System fand ich sehr intuitiv. Wer den Plotter nur gelegentlich nutzt, wird diesen Umstand begrüßen, da bestimmte Abfolgedetails schnell verinnerlicht sind. Alle Navigationsversuche klappten reibungslos, die erzielbare Genauigkeit lag sehr gut im üblichen Rahmen und die Eingewöhnungszeit in die komfortable Bedienung war äußerst kurz.


Simrad Echolot Geber

Der Totalscan Geber des Simrad Go7 XSE, fast 30cm lang und über ein Kilo schwer

Simrad GO7 XSE – Praxis und Vergleich

Wer bisher nur kleine 2-Frequenz Geber in der Hand hatte, wird von den Ausmaßen und dem Gewicht des Total Scan Geber überrascht sein. Bei rund 28cm Länge über alles und einem Gesamtgewicht von 1,2kg(mit Kabel) sollte man billige Geberstangen und Saugnäpfe zur Montage am Boot vergessen. Hier sind nur stabile Lösungen aus der Eigenproduktion oder ein Edelstahlmodell von Skrubes angesagt, wenn man mobil unterwegs ist. Warum solche Gehäusedimensionen notwendig sind, liegt an den eingesetzten Kristallen. Deren Form, Länge und Zusammensetzung bestimmen die Außenmaße. Leider wird die Geber Montagehalterung nicht mehr aus Metall sondern nur noch aus Plastik gefertigt. Mit dieser Änderung wurde sinnvollerweise auch der Kabelaustritt aus Gebergehäuse von vorne nach hinten gelegt, so dass die Leitung ohne Umwege nahe am Boot hochgeführt werden kann. Optisch sieht das Ganze mit der roten Einlage im schwarzen Outfit auch noch besser aus. Bleibt die Frage, wie sich eine Plastikhalterung bei einem schweren Geber in der Praxis bewährt? Für unsere Praxisversuche jedenfalls gab es weder bei der Montage am Boot noch im Betrieb auf dem Wasser irgendwelche Auffälligkeiten, so dass es keinen Grund zur Beunruhigung geben sollte. Die Eindrücke auf dem Wasser bescheinigen der Strukturscan Technik von Lowrance/Simrad durchaus eine Spitzenstellung im Klassenfeld. Der Total Scan Geber „leuchtet“ die Bereiche unter und neben dem Boot sehr gut aus. In Schärfe, Kontrast und Detailzeichnung setzen sich die Bilder schon etwas ab und dass mit Festfrequenzen von 455Khz oder 800Khz, d.h. ohne Chirpunterstützung.

Go7 XSE Sidescan Screenshot

Go7 XSE Sidescan Screenshot zeigt Fundamente eines vierspurigen Autobahnzubringers. Der Vergleich mit Unterwasseraufnahmen ist nicht allzu weit hergeholt

Chirp gibt es bei diesem Gerät neben den Festfrequenzen 83/200Khz nur im 2-D Bereich und das auch nur, wenn man parallel dazu auf Strukturscan Möglichkeiten verzichtet. Das ist enttäuschend, zumal Konkurrenzprodukte wie ein Garmin Echomap 72sv mit dem GT52 Geber die Chirp Klaviatur im Parallelbetrieb beherrschen.

Was letztlich zählt sind aber Ergebnisse und die sind beim Simrad GO7 XSE durchgängig gut, solange man auf den Strukturscan Bereich fokussiert ist. Im traditionellen Echolotbereich (2-D), der z.B. für die Fischerkennung von Bedeutung ist, kann man vom Totalscan Geber allerdings keine Wunder erwarten.

Go7

Die 2-D Aufnahme des Go7 zeigt viele Details. Was fehlt, ist die Feinzeichnung und die Objektdifferenzierung, die einen zu großen Interpretationsspielraum lässt. Wo hier Fisch zu finden ist, lässt sich nur an den Farbeinlagen festmachen.

Die eingesetzte Chirptechnik stützt sich vermutlich auf ein 83/200Khz Festfrequenzgebermodul, das elektronisch mit einem Spreizband angesteuert wird. Bezieht man das einmal auf die mittlere Frequenz von 83Khz und ebenso auf die hohe Frequenz von 200Khz würden sich daraus die angegebene Mid- und High Chirp Bereiche erklären lassen. In der Praxis sind die erzielbaren 2-D Resultate durchaus ansehnlich, schöpfen aber die Möglichkeiten moderner Chirptechnik nicht aus.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Detailzeichnung und die Auflösung der 2-D Aufnahmen des Go7 hinter der des Garmin Gerätes zurückbleibt, vor allem wenn man das Downscan Bild als Vergleichsobjekt nimmt.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Detailzeichnung und die Auflösung der 2-D Aufnahmen des Go7 hinter der des Garmin Gerätes zurückbleibt, vor allem wenn man das Downscan Bild als Vergleichsobjekt nimmt.

Um dies ein wenig dokumentieren zu können, habe ich auf dem Wasser parallel zum Simrad Go 7 ein gerade verfügbares Garmin Echomap 52dv mit einem mid chirp Geber Gt23 angeschlossen, der nicht für das Flachwasser sondern eher für die Tiefen norwegischer Fjorde konstruiert ist.

Simrad und Garmin im Vergleich

Downscan Aufnahmen:links Simrad, rechts Garmin. Nicht nur der räumliche Eindruck auch die Feinzeichnung und die Auflösung sprechen hier für das Go 7.

Im direkten Vergleich sind die Garmin Bilder für mich differenzierter in der Darstellung, besser in der Auflösung und klarer interpretationsfähig. Mit einem Blick auf das Downscan in der zweiten Abbildung wird daraus ein anderer Schuh. Hier hat das Simrad die Nase vorn. In der Summe kann man mit der Echolotleistung des GO7 XSE zufrieden sein. Neben den überdurchschnittlichen Struktur Scan Fähigkeit, liefert auch der 2-D Bereich alle notwendigen Informationen in sauberer, scharfer und störungsfreier Darstellung. Lediglich die Deutung dessen, was auf dem Schirm zu sehen ist, braucht etwas Übung und ein wenig Erfahrung.

Simrad GO7 XSE – Erkenntnisse und Fazit

In Anbetracht des günstigen Preises von rund 800€ incl. des Totalscan Gebers ist das Simrad GO7 XSE ein Preis-Leistungschampion, der durch eine üppige Ausstattung mit Strukturscan und 2-D Chirp Technik, einem umfassend ausgerüsteten Kartenplotter, einem sehr guten Bildschirm, sowie der wi-fi und Netzwerkanbindung überzeugen kann. Im guten Gesamtpaket kann man kompromissbereit die aufgeführten Kritikpunkte wie Bügelhalter, schiefe Rändelschrauben, Ungereimtheiten bei der Lage des Kartenschachtes und die Umsetzung der Chirptechnik im traditionellen Echolotbereich etwas hinten anstellen. Wer das Glück hatte, die C-Map Promotion zu nutzen und im Gerätepreis kostenlos noch ein MAX-N+ Seekartenpaket des Hersteller zu ergattern, darf sich über ein echtes Schnäppchen freuen. Darüber hinaus ist die Anschaffung passender Seekarten für den erfolgreichen Salzwasserfischer(Nordsee, Ostsee) erste Anglerpflicht und auch auf größeren Binnengewässern (Seen, Flüssen) sollte man darauf nicht verzichten, es sei denn man möchten nicht mehr angeln, sondern seine Gewässer allesamt selbst kartographieren.


Links, Verweise:

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