Wie finde ich das richtige Echolot für mich?

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie Technik / Methoden
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Veröffentlicht am August 31, 2015 , derzeit Keine Kommentare

Tipp für das passende Echolot – Die BABOLINO-Methode

Wer seine Entscheidung beim Kauf eines Echolots mehr oder weniger dem Fachhändler überlässt, und nur dessen Empfehlungen folgt, ohne sich vorher darüber im Klaren zu sein, was er oder sie tatsächlich braucht, hat mit einiger Sicherheit das falsche Gerät gekauft. Ein Fachhändler ist in erster Linie Geschäftsmann, der verdienen muss und wird erst in zweiter Linie als Seelsorger für die geplagte Anglerseele und dessen Geldbeutel tätig werden.
Die einschlägigen Anglerforen sind auch keine wirkliche Hilfe, da die „Fachleute“ dort in der Regel nur die Geräte empfehlen, die sie selbst besitzen. Ganz schlimm sind die Pseudotester, die das Gerät in der Regel nie unter Praxisbedingungen kennengelernt haben, trotzdem aber Bestbewertungen am laufenden Band vergeben. Leider sind neutralen Tests in dieser Sparte Mangelware. Weder die Fachzeitschriften noch die emsige Stiftung Warentest haben Marineelektronik in der Regel in ihren Test-Repertoires. Was also tun?

Informationen sammeln vs. Anforderungen zum Echolot

Zunächst einmal alle notwendigen Informationen sammeln, sortieren und sichten. Auch auf den jeweiligen Herstellerseiten kann man sehr viel Informatives herausfiltern. Ein Filter ist notwendig, um nicht Opfer allzu flotter Werbeaussagen zu werden. Danach ist es hilfreich, sich eine möglichst detaillierte Aufstellung der eigenen Bedürfnisse und Anforderungen zu machen. Wer ausschließlich im Süßwasser bis 30 m angelt, braucht ein anderes Gerät als es ein Hochseeeinsatz erfordern würde. Wann immer jemand ein und das gleiche Echolot für „Alles“ empfiehlt, sollte man misstrauisch werden. Dass Verkäufer auch schon mal „gar keine Ahnung“ von der Materie haben, und auch die Großen der Branche davor nicht gefeit sind, habe ich selbst bei einem amerikanischen Handelsriesen für Marinebedarf erleben dürfen, wo der Verkäufer bei einem gängigen Allerweltsecholot nicht einmal wusste, ob und wie die Spracheinstellung geändert werden kann. Alles andere, das danach von ihm zu hören war, hätte für eine silberne Beratungszitrone mehrfach ausgereicht.
Um sich nun, erst einmal ohne fremde Hilfe, im Gerätedschungel zurechtfinden zu können, empfehle ich die „BABOLINO“ Methode:
Man einigt sich einfach auf bestimmte Vorgaben und streicht, aus der Liste aller möglichen Geräte, diejenigen, die diese Vorgaben nicht erfüllen. Nach und nach kommt man auf diesem Wege an eine kleine Anzahl von Geräten, die den eigenen Bedürfnissen am nächsten kommen. Das Verfahren selbst ist mit etwas „Arbeit“ verbunden. Es lohnt sich aber aus zwei Gründen: Zum einen entwickelt sich der eigene Informationsstand und verbessert damit die Verhandlungsposition mit dem Verkäufer, zum anderen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass man genau das Gerät bekommt, das man tatsächlich braucht.

Packen wir´s an. Zur Illustration habe ich einmal mit einem Budget(günstigster OnlinePreis) von 500 Euro (+10%) von vier verschiedenen Herstellern die möglichen Geräte herausgefiltert (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Garmin Echolote

Bei Garmin passen in den Kostenrahmen alle Geräte der Echo Serie und bei den Kombis vier Exemplare (4`+ 5´) der Echomap Serie (Fotos Garmin Deutschland)

1. Zunächst setzt man eine Budgetgrenze für die Anschaffung fest. Für die Schmerzgrenze lasse ich mir immer noch ca. 10 % Luft nach oben, danach geht allerdings nichts mehr. Dieser erste Schritt ist notwendig, um schon vorab alle Geräte herauszufiltern, die nicht ins Finanzkonzept passen.

2. Eine Aufstellung aller infrage kommenden Geräte aller wichtigen Anbieter machen. Die Auswahl nur an der Budgetgrenze orientieren, knapp darüber gehört dazu.

Test

Vier Geräte aus der vielbeachteten Humminbird Helix 5 Serie passen ins Budget. Lediglich das Spitzenmodell mit Sidescan fällt aus dem Rahmen. (Fotos: Humminbird USA)

3. Die Bildschirmgröße festlegen. Viele Hersteller fertigen Geräte mit identischer Technik, die sich nur in der Bildschirmgröße und damit, z. T. erheblich, im Preis unterscheiden. Interessanterweise werden im Echolotbereich, auch ganz aktuell, jetzt häufiger 4´ Geräte angeboten. Diese Entwicklung ist mir unverständlich, zumal im Smartphonebereich der Trend genau gegenläufig ist. Jede Überlegung, die sich auf ein 4´ Gerät konzentriert, sollte berücksichtigen, dass der Betrachtungsabstand für eine Echolot deutlich größer ist, als bei einem Handy und ein 5 Zoll Gerät ca. 55% mehr an Bildfläche mitbringt als ein 4´. Ähnliche Überlegungen kann man für eine Entscheidung zwischen 5´und 7´Zoll anstellen. 7´Zoll Geräte sind für einen mobilen Einsatz allerdings etwas unhandlich, einsetzbar sind sie aber in transportablen Systemen allemal. Mit 5´ hat man aber einen passablen Kompromiss aus Größe, Handlichkeit und Preis. Jetzt alle Geräte in der Liste streichen, die keine passende Bildschirmgröße haben.

4. Wer ein reines Echolot ohne Plotterfunktion kauft, kann ca. 100-150 Euro im Preisbereich bis 1000 Euro sparen. Das ist nicht sehr viel. Deshalb plädiere ich immer für ein Kombigerät, da der Plotter auch im Süßwasser gewinnbringend eingesetzt werden kann. Viele Hersteller bieten auch für die größeren Binnengewässer Kartenmaterial an. Für das Salzwasser ist der Plotter sowieso ein Muss. Nun alle NUR-Echolote oder, wenn es denn unbedingt sein soll, die Kombigeräte streichen.


Lowrance bis 500,-

Lowrance hat das größte Angebot in dieser Preisklasse: Alle 4´+5` Geräte aus den Serien Mark und Elite kommen in Frage (Fotos Navico Deutschland)

5. Die Liste der verbliebenen Geräte wird nun neu sortiert nach bevorzugten Einsatzbereichen. Wer vorwiegend im Süßwasser angelt, 30m Gewässertiefe nur selten übersteigt, sortiert für sich alle Geräte ein, die 2-D + Down Scan Funktion und evtl. Side-Scan haben. Die mitgelieferten Geber sollten aus der 83/200 Khz Festfrequenzklasse oder einem entsprechenden Chirp Typ stammen. Salzwasserangler können auf die Downscan Möglichkeit verzichten, da das Auffinden bestimmter Bodenstrukturen (Löcher, Gumpen, Hindernisse…) weniger von Bedeutung ist. Auf See ist ein guter Scanner mit bathymetrischen Marinekarten (Tiefenlinien) für den Fangerfolg wichtiger als die Fragen, die ein Downscan, der ab einer gewissen Tiefe sowieso nicht mehr arbeitet, beantworten könnte. In den tiefen Fjorden Norwegens ist ein 50/200Khz Geber ( oder eine entspr. Chirp Produkt) von Nutzen, der noch Tiefen von 300 m sicher anzeigen kann. Viele Hersteller bieten diesen Gebertyp optional zu diversen Geräten an, den Mehrpreis muss man allerdings kalkulieren.

6. Im Anschluss sollte nun von jedem Hersteller etwas im Körbchen sein. Ist es mehr als ein Gerät pro Anbieter, das ins Budget passt, schadet das nicht.

7. Nun ist man in der Entscheidungsfindung ein schönes Stück vorangekommen. Die Anzahl der möglichen Geräte hat sich drastisch verringert und der eigene Informationsstand ist mit jeder Auswahlentscheidung gewachsen, um letztlich eine sachgerechte Wahl begründen zu können.


Raymarine Deutschland

Bei Raymarine sind alle 4´und 5´Dragonflymodelle möglich (Fotos: Raymarine Deutschland)

8. Bis hierhin kann man ohne eine Fachberatung auskommen. Für den letzten Schritt ist eine solche empfehlenswert. Leider kommt es immer wieder vor, das Fachhändler die eigene Vorauswahl des Kunden nicht akzeptieren wollen und ihn im Laufe der „Beratung“ bedrängen, z. B. eine Preisklasse höher einzusteigen. Darauf sollte man sich nicht einlassen, wenn der gesteckte Kostenrahmen einen Wert haben soll. Hinzu kommt, dass die wenigsten Fachhändler alle infrage kommenden Geräte vorrätig haben, um sie auch demonstrieren zu können. Es ist aber wichtig, dass man die Geräte in Augenschein nehmen kann, um sich von der Verarbeitungsqualität und den diversen Ausstattungsdetails ein Bild zu machen. Gerade vermeintliche Kleinigkeiten können im Gebrauch schnell zu einem Ärgernis werden. Da hilft eigentlich nur, die Beratung, die dann auch telefonisch erfolgen kann und damit standortunabhängig ist, als eine Entscheidungshilfe anzunehmen und sich dann auf ein oder zwei Geräte festzulegen. Der Onlinekauf bietet die Möglichkeit, Geräte auch wieder zurückzugeben, wenn man bei der Sichtung festgestellt hat, dass die eigenen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Aber Vorsicht: Ein Echolot im Simulationsmodus ausprobieren, ist in Ordnung (das kann man im Laden auch),es am Wasser einsetzen und dann zurückgeben zu wollen nicht mehr.

Für die Endauswahl würde ich noch folgende Kriterien einfließen lassen:

a) Bildschirmqualität (Auflösung, Helligkeit, Lesbarkeit bei Sonnenlicht,Blickwinkelstabilität Bildschirmformat

b) Montage und Mobilitätseigenschaften
– Bügelmontage fest oder in beide Richtung einstellbar,Kugelkopfhalterung
– Stromkabel extra oder als Kombikabel (Geber kann nicht am Boot verbleiben)
– Mobillösung im Angebot, bewährt in der Praxis?
– Ersatzteile im Sortiment?

c) Einstellmöglichkeiten und Einarbeitung
Persönliche Vorlieben: am liebsten alles voreingestellt und sofort einsetzbar oder vieles individuell festlegen wollen

d) Bedienung
-Tasten oder Touchscreen (bei offenem Boot?)
– Logisch und intuitive -oder unübersichtliche Menüstruktur
– Rücksprungtaste?

e) Qualitätsanmutung
Verwendete Materialien, Detailverarbeitung, Qualität der Tasten
(Druckpunkt,Tastenführung usw.), Gebrauchsanleitung

Anmerkung: Die für die Illustrationen verwendeten Produktabbildungen und Logos unterliegen dem Copyright der jeweiligen Rechteinhaber. Die Verwendung dieser Fotos und der Firmenlogos wurde mir für diesen Artikel freundlicherweise genehmigt.

Und dem folgenden Link findet Ihr passende Echolote und das jeweilige Zubehör.

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Test: Garmin Echomap 72sv & 52dv im Praxiseinsatz

Garmin Striker 7sv und 5dv im Praxis-Test

Top Gerät für Angler: Simrad Echolot GO7 XSE

Allgemeiner Artikel: Fishfinder und Echolot – Tipps für Angler

Solltet Ihr Fragen oder Hinweise haben, dann postet sie einfach in die Kommentare. 

Über den Autor:

Gerd

Gerd

Gerhard (Gerd) Wertenbach
Jahrgang: 1949
Erster Angeleinsatz : Holland 1962 mit einer Fertigangel Bambus dreiteilig 3 m, Fangergebnis 36 Aale an einem Regentag im August.
Danach Süßwasserangelei vorwiegend an der Mosel und den Mittelgebirgstalsperren (Sauerland) mit kurzer Visite in einem Angelverein (der mir mit seiner Vereinsmeierei schnell gezeigt hat, dass er für mich keine Heimat sein und schon gar keine Herausforderung bieten konnte). Nach der Schule im rheinischen Raum (Bonn und Umgebung) vorwiegend an großen nicht bewirtschafteten Kiesgruben auf Karpfen und Forellen, Flussangelei an der Mosel, Kyll(Saarland). Erste Erfahrungen mit der Salzwasserfischerei (Nordsee,Ostsee) ab den 70er Jahren. Regelmäßige Angelreisen ab 1982 nach Irland (Hecht, Browntrout), Kanada(Königslachs, Sockey). In den letzten 15 Jahren min 1x/Jahr Irland, Norwegen (nur Salzwasser), Süßwasser nur noch Talsperre, gelegentlich noch Flußangelei Lippe,Sieg (Raum Unna).
Bevorzugte Angelarten:
Salzwasser : Light Pilk, Jiggen
Süßwasser : Feeder, Schwingspitze
Größte Fänge: Lachs 19kg, Hecht 11kg, Karpfen 13 kg

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