Angeln in Südschweden: Zwischen Bohuslän, Dalsland und Vänern
Warum sich ein Angelurlaub in Südschweden lohnt
Südschweden bietet zwischen der Westküste von Bohuslän, den Seen Dalslands und dem Vänern außergewöhnlich vielseitige Angelmöglichkeiten. Innerhalb kurzer Entfernungen kannst du auf Meerforelle, Lachs, Hecht, Barsch und Zander angeln. Dieser Guide zeigt dir die besten Regionen, Fischarten, Reisezeiten und Besonderheiten der einzelnen Gewässer.
Mein persönlicher Grand Slam von Meerforelle, Lachs, Ü‑40er Barsch und – um ein Produkt des Waldes hinzuzunehmen – einem Korb voller Pfifferlinge, alles innerhalb eines Tages, ist mir in den bald 9 Jahren als Einwohner der Region zwar noch nicht geglückt. Wenn dies aber irgendwo möglich erscheint, dann hier – in den extrem vielseitigen Gewässern zwischen der wild-idyllischen Küste des Skagerraks und den Ufern des See-Giganten Vänern.
Wer als einigermaßen ambitionierter Angler an Schweden denkt, sieht mit großer Wahrscheinlichkeit zuerst Hecht und Barsch vor sich – und dann mit großen Abstand, zumeist als Fliegenfischer, die Bewohner der Fjällregionen, also insbesondere Saibling, Forelle und Äsche. Natürlich ist den meisten klar, dass hier noch anderes an interessanten Raubfischen und insbesondere Salmoniden schwimmt. Ordentliche Lachsangelei verortet man dann aber doch (noch) eher in Norwegen, und für einen Meerforellen Urlaub geht´s traditionell nach Dänemark.
Dass es einen kleinen Flecken in Südschweden, genauer lokalisiert an der Westküste zwischen Göteborg und der norwegischen Grenze, gibt, der all das Genannte par excellence vereint, ist – wenn kein wohlgehütetes Geheimnis – zumindest ein blinder Fleck auf dem inneren Radar der europäischen Anglerschaft.

In diesem Artikel möchte ich die Region Fyrbodal vorstellen, ein Verwaltungsdistrikt, der sich über ca. 90 km Luftlinie zwischen Vänern im Osten und dem Skagerrak im Westen erstreckt – und damit zwei Ikonen der schwedischen Landschaften, Dalsland und Bohuslän, abdeckt. Eine südschwedische Region, die es durch und durch in sich hat, und an anglerischer und landschaftlicher Vielfalt in Europa schwer zu überbieten ist. Von tiefen Wäldern mit hunderten einsamen Seen bis zu den schönsten Fjord- und Schärenwelten am offenen Meer ist auf kleinem Raum alles geboten.
Bevor wir nachher im Detail von West, der offenen Küste, bis Ost, den Ufern des riesigen Sees Vänern, die Gegend durchstreifen und detailliert auf die anglerischen Möglichkeiten eingehen, hier für die, die es beim Artikellesen und vielleicht auch im Urlaub selber eilig haben, der Shortcut zu dem Ort, an den man reisen muss, um den genannten Grand Slam hinzulegen:
Munkedal: Lachs, Meerforelle und Hecht und Barsch auf kleinem Raum
Munkedal am Ende des einzigen Schwellenfjordes in Schweden, dem Gullmarnsfjord. Hier wohne ich und guide gelegentlich, und hier ist das möglich, was anderswo nur selten funktioniert: 3 Minuten und man steht im Lachsfluss, 10 Minuten und man schafft es direkt zu einer Auswahl an spannenden Gewässern für Hecht, Zander und Barsch, 12 Minuten und man watet am Meerforellenstrand. Und wenn man nochmal 20 Minuten drauflegt, eröffnen sich nochmal ganz neue Möglichkeiten (Makrelen, Forellen, etc.).
Lachsangeln im Örekilälven
Wie das hier möglich ist? Direkt durch den Ort fließt der Örekilälven, ein kleines Flüsschen, das gegen den allgemeinen nordeuropäischen Trend einen sehr stabilen Aufzug von Lachsen hat – mit jedes Jahr vielen gefangenen Großlachsen. Größentechnisch gehört das Gewässer zu den kleinen Lachsflüssen, was insbesondere für Anfänger des Lachsfliegenfischens nicht von Nachteil ist. Insbesondere im Sommer kann man prima mit der Einhand, Klasse 7 – also einer gewöhnlichen Mefo-Ausrüstung – auf Lachs fischen.
Spinnköder sind in bestimmten Abschnitten und Pools ebenso erlaubt. Der Fluss erlebt dabei steigende Beliebtheit – insbesondere – und das ist augenöffnend – von Norwegern. Und das nicht nur bei denen aus der nahegelegenen Region rund um Oslo, sondern sogar von Einwohnern der mittelnorwegischen Lachsregionen schlechthin. Dieses Jahr sind mir zum Beispiel paar Jungspunde begegnet, die innerhalb von wenigen Wochen zweimal den weiten Weg von Ålesund auf sich nahmen (9 Stunden Fahrt quer durchs norwegische Hochgebirge!), nur um hier zu fischen.

Die gut fischbare Strecke ist ca. 6 Kilometer lang und mündet dann ins Meer.
Fliegentipp gebraucht? Das Wasser ist für die Region typisch braun-rötlich eingefärbt – entsprechend wird mit Fliegen, die grob in dieses Farbraster fallen, gefischt. Rot, braun, orange – aber auch gold und gelb sind Farben, die liefern. Um nur paar Muster zu nennen: Willie Gun, Cascade, Pathakorva, Banana, Red Francis und viele andere aus diesem Spektrum bringen alle Fisch.
Angelkarten sowie alle wichtigen Bestimmungen gibt es auf elveguiden.no/en und der gleichnamigen App.
Meerforellenangeln am Gullmarnsfjord
Der Ort der Flussmündung in den Gullmarnsfjord ist der Platz, wo man den zweiten Fisch des Grand Slams fangen kann, die Meerforelle. Dieser imposante Fjord ist Teil der meiner festen Überzeugung nach schönsten Meerforellenlandschaft der Welt. Diese Nachricht zu proklamieren und unter das angelnde Volk zu bringen, ist ein bisschen Teil meiner persönlichen Mission geworden. Mehr zu diesem spannenden Feld aber später. Hier nur so viel: Der ganze Abschnitt, der sich in östliche Richtung ab der Mündung des Örekils erstreckt, inkl. Yachthafen und dann am Strand Saltkällan entlang, beheimatet richtig viele Fische.
Hecht, Barsch und Zander rund um Munkedal
Zu den Barschen, Hechten und Zandern, die es ebenfalls direkt rund um Munkedal gibt: Direkt am Ortsrand liegen zwei sehr unterschiedliche Raubfischreviere – beide aber mit guten Beständen an Hecht, Zander und Barsch. Der Kärnsjön ist ein ca. 30 km langer Stausee mit echtem Großhechtbestand und vielen guten Zandern. An der Trailerstelle sieht man mitunter die Boote richtig ambitionierter Zanderangler. Etwas übersichtlicher und auch vom Ufer aus beangelbar ist der Vikssjön, der den ersten See einer weit ins Landesinnere gehenden Seenkette darstellt. Hier gibt es massenhaft klassischer Hechtstellen, und auch Zander sind ordentlich vertreten.
Um diesen Shortcut und dem Zoom in die Ortschaft Munkedal legen wir nun eine Klammer, und betrachten die Region in Südschweden groben Zügen von West nach Ost.

Meeresangeln an der Küste von Bohuslän: Schären, Fjorde & Meerforellen
Der Küstenstreifen in der Region Bohuslän ist eine absurd schöne Meereslandschaft, bestehend aus tausenden mal mehr, und mal weniger blanken Inseln und Inselchen, Buchten, Sunden und dergleichen. Ein wilder Wirrwarr an Granit, das wie gesprenkelt den gesamten Küstenstreifen von Bohuslän prägt und viele hundert Kilometer fischbare Küstenlinie bildet. Lange galt diese im Hinterland recht unfruchtbare Region als absolutes Armenhaus Schwedens – mit – bedingt durch den gefährlichen Fischfang zwischen den ganzen Felsen – der höchsten Witwen- und Waisenrate Schwedens. Ab Mitte des 18. und nochmal Ende des 19. Jahrhunderts kamen jedoch Jahre mit phantastischen Heringsfängen und mehrere wirtschaftliche Blütephase verwöhnten die Region. Heute noch in Form von zahlreichen pittoresken Fischerörtchen erlebbar, die die Kulisse für einen herrlichen schwedischen Sommer schaffen.
Wer den Sommerurlaub mit der Liebsten oder der Familie verbringen will, wird hier mehr als auf seine Kosten kommen; denn im kurzen Sommer – mit starken Fokus auf den Juli – vibriert hier das Leben. Für denjenigen, der weniger Menschen bevorzugt, empfehle ich die restlichen 11 Monate des Jahres.

Die Angelei fokussiert sich dabei hauptsächlich auf Meerforelle, Makrele, Dorsch, Pollack und andere Meeresfische. Während die beiden erstgenannten zielgerichtet und mit großen Erfolgsaussichten von Boot und Ufer beangelt werden können, sind die Bestände an anderen Fischen – vorneweg des Dorsches – in den letzten 20 Jahren leider massiv eingebrochen. Muss es noch in den frühen 2000erm für jedermann schnell möglich gewesen sein, von einer Schäre seinen Dorsch für´s Abendbrot zu fangen, machen dies gezielt heute zu meist nur noch Leute, die mit größeren Booten auch weiter vor die Küste fahren können. Dass es dennoch Möglichkeiten gibt, diese klassischen Meeresfische auch vom Ufer zu fangen, beweisen insbesondere jüngere Angler, die mit modernen Methoden zum Beispiel im Hafen von Lysekil diese Fische überraschend erfolgreich beangeln (Schutzregeln beachten!).
Meerforellenangeln an der Schärenküste: Spots, Ausrüstung & Schonzeiten
Die Meerforellenangelei hingegen ist ein erfolgversprechendes – und ganz außergewöhnlich herrliches Unterfangen. Durch die extreme Variantenbreite der Küstenlinie folgen interessante Spots häufig in extremer Frequenz aufeinander. Sandige Buchten, Blocksteinstrände, steile Felspartien, dazu Sunde und Engstellen bieten ein Revier, dass niemals Langeweile aufkommen lässt. Erscheint eine Stelle irgendwie tot, weil zum Beispiel kein Wind die Oberfläche bewegt, kann es nur 50 Meter weiter, einmal um die Landspitze herumgegangen, bereits völlig anders aussehen. Auch die Wassertiefe variiert permanent und braucht man im Hochsommer mal kühleres Wasser, gibt es unendlich viele Stellen, an denen es direkt unter der Rutenspitze mehrere Meter tief ist und kälteres, sauerstoffreicheres Wasser die Felsen umströmt.

Eine weitere große Besonderheit in Bezug auf die Meerforellenangelei ist der Einfluss des nahen Atlantiks, der für klimatisch sowie Gezeiten und Salzgehalt bedingte Unterschiede in Vergleich zu den klassischen Meerforellengebieten der Ostsee sorgt. Insgesamt geht es deutlich ruppiger zu – mit dem schönen Effekt, dass es ganz ruhige Seenlagen relativ selten gibt und man meistens eine Ecke findet, in der das Wasser bewegt ist. Angst vor auf Grund von Starkwind ausfallenden Angeltagen muss man aber nicht haben – man findet IMMER Stellen, an denen man geschützt – auch mit der Fliegenrute – fischen kann. Zu beachten jedoch unbedingt: Die Saison ist kurz – nur zwischen dem 1. April und 30. September darf auf Meerforelle gefischt werden, das Schonmaß liegt bei 45 cm.
Für die Angelei braucht man im April, Mai, Juni und September nichts anderes, als man auch zum Beispiel in der Ostsee fischen würde. Das gilt für Gerät inkl. Schnur als auch Köder / Fliegen (hervorzuheben ist aber die Bedeutung von Garnelenmustern – ich fische zu 75% mit einer solchen am Band). Der Juli und August bereiten jedoch eine Besonderheit: Ab ca. 17/18 Grad Wassertemperatur suchen sich die Fische gerne tiefes, von Strömungen bewegtes Wasser. Solche Stellen gibt es dank der strukturreichen Felsenküste tausende, allerdings muss man hier tief und schnell fischen – und das geht als Fliegenfischer nur mit Sinkschnüren. Sink 5, 6 oder 7, dazu ein lang-schmaler Streamer und dann entlang von Felsen gefischt: Ein zuverlässiger Weg für eine dicke Sommerforelle!
Makrele, Lippfisch & Plattfisch: Abwechslungsreiches Küstenangeln (Light Tackle)
Für die breite Bevölkerung hier oben eine deutlich wichtigere Bedeutung als die Meerforelle hat aber die Makrele. Das man im Sommer diesen Fisch beangelt, ist hier in den Küstengebieten absoluter Standard bei den Bewohnern, und auch viele der Feriengäste angeln von Boot und Land mit großer Begeisterung auf Makrele. Die Methode ist schnell erklärt:
Entweder nimmt man eine leichte Spinnrute und angelt dann mit leichten Pilkern oder schwereren Meerforellenblinkern, oder man nimmt ein etwas schweres Rutenmodell, nimmt wiederum einen leichten Pilker, ergänzt diesen aber um ein Paternoster. Mit diesem Set-up kann man dann an Landspitzen vor tiefen Wasser perfekt die Wassersäule durchkämmen. Daumenregel: In Dämmerungsphasen und bei Bewölkung eher Oberflächen nah, tagsüber bei praller Sonne eher zwei, drei Etagen tiefer fischen.

Eine Fischart, die sich beim Angeln in Südschweden wachsender Beliebheit als Zielfisch erfreut, sind Lippfische. Sehr farbenfroh, äußerst kampfstark – und in großer Vielzahl vorkommend, kann man sie super mit modernen Grund nah geführten Barschangeln Methoden an steilen Klippen und in Tangfeldern befischen. Ein richtiger Spaß! Alternativ tut´s eine einfache Posenmontage mit einer frischen Garnele, die es hier in jedem Supermarkt gibt. Direkt an der Feldswand anbieten, hier stehen die feisten Gesellen!
Ebenso ein Thema, das mehr Liebe verdient, ist das Plattfischangeln. Ich will da ehrlich sein – persönliche Erfahrung, außer ungewohnten Beifang beim Meerforellenfischen, habe ich damit keinerlei. Aber dass es hier viele leicht zugängliche Möglichkeiten gibt, wurde mir von vielen Seiten bezeugt (zum Beispiel übernahm ich beim Kauf unseres Hauses u.a. die gesamte Angelausrüstung des Vorbesitzers. Dutzende Plattfischsysteme sind klares Indiz, dass das hier ein lohnendes Unterfangen sein muss).
Wie bei der Meeresfischerei im Allgemeinen gilt auch hier: Lange Würfe sind nicht notwendig, klassisches Brandungsangelgerät definitiv das falsche Werkzeug. In vielen sandigen Buchten oder auch an den zahlreichen Hafenmolen kommt man gut mit kurzen bis mittellangen Würfen klar. Da reicht leichteres Gerät, das man auch einfach aus anderen Bereichen nehmen kann, locker aus. Plattfische sind dabei definitiv nicht nur in den Schären Richtung offenes Meer, sondern auch weiter im Landesinneren, in den Fjorden zu finden.
Angeln in Südschweden: Fjorden von Bohuslän
Direkt an die Inselwelten im äußeren Schärengarten schließen sich in einigen Bereichen Bohusläns tiefe, umfangreiche Fjordsysteme an. Die Besonderheit hier: Die Ufer sind meistens bewaldet und fallen mitunter steil ins Wasser ab – dazu Inseln, Einbuchtungen, kleine Sunde und mehr – eine ganz besondere Meeresangelkulisse. Manchmal erinnernd an große Seen im Alpenraum, manchmal an die Meereswelten rund um Vancouver Island an der kanadischen Pazifikküste. Wer auf google.maps mal gucken möchte: nach Uddevalla , Munkedal oder Stenungsund suchen und sich dann bisschen umsehen.

Wenn auch die Fischarten, die man hier fängt, ähnlich sind wie in den Schären, ist die Angelei doch eine andere. Beispiel Meerforelle: Die Angelstellen sind häufig etwas gemütlicher als in den Schären, häufig nicht so schroff und daher mitunter schwierig zu beangeln, sondern oft gediegene, romantisch gelegene Sand- oder Steinstrände. Dafür sind sie, insbesondere im Frühling und im Herbst, besonders ertragreich. Zu beiden Zeiten halten sich die Fische häufig in der Nähe von Süßwassereinläufen auf, und die findet man an den Fjorden in gehäufter Zahl. An solchen Stellen ab Mitte August oder im September gefischt, zum Beispiel eine kleinen orangene Reizfliege schnell eingestrippt, sind gute Chancen auf Fisch fast garantiert!

Auch die Makrelenangelei wird hier sehr intensiv betrieben. Bis weit ins Fjordinnere, quasi direkt am Ende, findet man sie ab Juni/Juli – und dann bis in den Herbst hinein. Anders als im äußeren Schärengarten, wo man sehr häufig langsam schleppt und die Schwärme aktiv sucht, wird hier meist vom verankerten Boot, Pose und Garnelen als Köder, stationär gefischt.
Schutzbestimmungen für Dorsch und Pollack in Südschweden
Zu beachten ist: In den meisten Fjorden sind klassische Meeresfische wie Dorsch und Pollack streng geschützt. Überfischung, Robben und Kormorane haben die Bestände so stark dezimiert, dass unter anderem diese Fischarten ganzjährig geschützt sind. Ein Beispiel ist der mächtige Gullmarnsfjord, der bei Lysekil ins Meer mündet und sein Ende bei Munkedal hat. Dieser Fjord ist der einzige echte Schwellenfjord Schwedens und war noch in nicht allzu ferner Vergangenheit ein echtes Meeresangel Mekka. Mitunter kamen Fischtroller in den Fjord, um ihren Teil des überreichen Fischbestandes zu ergattern und für Freizeitangler war es ein Dorschparadies. Alles Vergangenheit – der Mensch hat erst übertrieben und dann Konsequenzen gezogen und schützt Dorsch und co. nun konsequent.
Bleiben wir kurz beim Formellen: Angelkarten braucht man für die Schären- und Fjordangelei nicht – das Angeln ist frei.
Angeln in den Fjällgebieten Südschwedens
Kynnefjäll, Herrestadfjäll, Koppefjäll – alles Landschaftsgebiete in Dalsland, die wie Inseln aus der ansonsten tiefgrünen Waldlandschaft herausragen. Fjällgebiete – also diese typischen skandinavischen Gebirgslandschaften im westlichen Südschweden?! Ja, tatsächlich! Auch wenn hier bei der Namensgebung zugegebener Weise etwas dick aufgetragen wurde und man sich jetzt nicht zwischen Rentieren oberhalb der Baumgrenze aufhält, sind gewisse Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Seen sind klar und nährstoffarm, die Wälder sind eher licht, es gibt viele Kiefern und Birken und ziemlich viele Flechten. Echt nord-skandinavisch!

Für den passionierten Großfischjäger sind diese Gebiete vielleicht nicht die allererste Wahl. Wer es jedoch skandinavisch rau und echt haben möchte, ist an den Ufern der Seen richtig aufgehoben. Hauptzielfische an den oft übersichtlichen und auch gut vom Ufer zu benagelnden Seen sind Barsch und Hecht, es gibt auch einzelne Seen mit Forellenbestand.
Das Schöne an der Angelei ist, dass sich alles irgendwie echt anfühlt, reduziert auf das Wesentliche und sehr natürlich. Eine mittelschwere Spinnrute, eine Köderkiste, ein Rucksack mit Sitzunterlage und Brotzeit. Fertig. Und willkommen zu einem echten Naturerlebnis. Ohne technische Hilfsmittel mal ganz simpel vom Ufer zu fischen und sich exploratorisch und kreativ ein Gewässer zu erschließen ist extrem erfrischend – auch, weil man jederzeit ein kleines Feuer machen kann, um sich was zu essen zu bereiten oder einfach nur einen Kaffee.
Ein Tipp für diese Angelei: Der Lilla Holmevatten im Kynnefjäll. Hier kann man super parken, es gibt dicke Barsche und man braucht nicht mal einen Angelschein. Sein Boot kann man hier ausdrücklich auch mitnehmen, aber die beschriebene Uferpirschangelei funktioniert auch.
Hecht‑, Barsch- und Zanderangeln in Dalsland
Sind die genannten Fjälllandschaften wie einzelne herausragende Granitinseln in der ansonsten grünen Waldlandschaft Dalslands, ist der Großteil der dalsländischen Landschaft geprägt von Seen und Wäldern, im Süden auch teilweise von Landwirtschaft. Autofahrten durch diese Gegend sind für mich immer ein besonderer Genuss. Gilt Dalsland auch als Schweden in Miniatur, findet man hier entlang der kleinen geschwungenen Landstraßen all das, was Schweden viele Jahre für mich ausgemacht hat: Tiefe Wälder, glitzernde Seen, Elche, Hechte – und viel, viel rustikal-romantische Wald-Einsamkeit.
Hecht- und Barschangler finden hier ein Paradies: Man kann sowohl versuchen, an mittlerweile richtig bekannten Adressen wie dem wirklich riesigen Vänern, dem Stora Le oder dem Foxen (gehört nicht direkt zu Dalsland, aber die Grenze verläuft durch das Seengebiet, das Dalsland von Värmland trennt) das ganz große Hechtding zu drehen, oder man versucht, an einem der unzähligen unbekannteren Seen, sein eigenes kleines Angelparadies zu finden (je nach dem, was man als See mitzählt, sind es rund 2000 Gewässer).

Hechtangeln im Vänern: Die westlichen Schärengärten (z. B. Tösse bei Åmål)
Tendier ich immer schon zum eher kleineren Schuh, wenn es auf Hecht geht – gerne Ruder- oder Bellyboot, gerne wenig Technik, gerne ein einigermaßen übersichtlicher und möglichst unbefischter See – habe ich vor vielen Jahren aber auch schon am Vänern gefischt.
Trotz der enormen Größe sollte man sich nicht abschrecken lassen — auch wenn man nicht die ganz große Hechtangelklaviatur beherrscht, also Handling eines großen Bootes, Umgang mit Echolot, Angeln im Freiwasser auch bei rauen Bedingungen, etc. In den vielen Schärengärten kann man durchaus auch mit Bellyboot oder sogar watend richtig gut fangen (mein persönlicher Tipp: Der kleine Schärengarten vor Tösse bei Åmål)! Aufmerksam wurde ich auf den See seinerzeit über einen Artikel von Uli Beyer. Damals noch eine ziemlich unbekannte Adresse in Hechtanglerkreisen, wurde der See insbesondere in den vergangenen Jahren durch diverse youtube-Formate richtig bekannt.

Der Vänern ist dabei trotz der enormen Größe ein gutes Beispiel für die Angelei hier oben – es herrscht extreme Vielseitigkeit. So wie die Schärengärten des Vänern, sind die Gewässer häufig richtige Bilderbuch-Hechtgewässer: Strukturreich mit Inseln, Buchten, Landzungen, Freiwasserbereichen und krautigen Uferzonen und Untiefen. Alles, was man sich so wünscht, ist bei vielen Gewässern Programm.
Einen DaF Erfahrungsbericht inkl, Video findest du unter diesem Link: Hechtangeln am Vänern.

Dennoch gibt es ein Unterscheidungsmerkmal, dass die Seen Dalslands grob in zwei Typen einteilt, und bei der Planung unbedingt zu beachten ist: Der Gewässertyp, im Wesentlichen gekennzeichnet durch Tiefe und den Grad der Gewässertrübung.
Typ 1: Tiefe, glasklare Spaltenseen für die dicken Freiwasserhechte (Nord-Dalsland)
Insbesondere im Norden gibt es sehr große, sehr tiefe und sehr klare Spaltenseen. Dazu gehören der Stora Le, Lelång und Västra Silen. In den Freiwasserzonen gibt es große Maränenschwärme und in allen genannten Seen wird auch gezielt und erfolgreich auf Binnenlachse und große Seeforellen gefischt. Hier gibt es auch dank der fetthaltigen Beute richtig, richtig große Hechte, das Angeln ist aber nicht immer einfach. Die wahrscheinlich unkomplizierteste Variante als Gastangler einigermaßen zuverlässig einen richtigen Brummer zu erwischen, ist, mit großen Schleppköder das Freiwasser zu bearbeiten, mit Echolot nach Futterfischschwärmen Ausschau zu halten und dort dann gezielt zu fischen.
Mit klassischem Spinnfischen mit Gummifisch, Jerkbait und co. kann man als Gastangler hingegen auch an augenscheinlichen Top-Spots leer ausgehen und man muss sich mitunter trickreich anstellen, um zu fangen. In ewiger Erinnerung wird mir eine Woche direkt nach bestandenem Abi im Jahr 2007 sein: Trotz umfangreicher Vorbereitung, aller Bemühungen und variantenreicher Angelei konnten wir nur wenige Fische erfolgreich landen. Den größten Hecht der bescheidenen Tour konnte ich erst fangen, nachdem ich mehrere Meter Monofil zwischen geflochtener Hauptschnur und Stahlvorfach geschaltet hatte, einen sehr unscheinbaren, weiß-durchsichtig-glittrigen Gummifisch benutzte und an einer richtig tiefen Struktur jiggde. Seitdem wurde es wahrscheinlich nicht einfacher, denn der Angeldruck hat zugenommen und auch Gewöhnungs- und Scheucheffekte tragen dazu bei, dass es wahrscheinlich eher noch schwieriger geworden ist.

Typ 2: Flache, nährstoffreiche Waldseen für Frequenz beim Barsch- und Hechtangeln (Süd-Dalsland)
Für viele wird es einfacher sein, auf die Gewässer des zweiten Typs zu setzten, die eher im Süden Dalslands zu finden sind: Häufig deutlich trübere, flachere und sehr nährstoffreiche Gewässer – neben einem guten Hecht- und Barsch- oft auch mit sehr spannendem Zanderbestand!
Für mich mit am Schönsten sind die Gewässer, die sich irgendwo zwischen sehr klar und sehr trüb bewegen, und noch nicht ganz so groß sind – obwohl das mit der Größe in Vergleich zu Deutschland natürlich relativ ist und einem die meisten Gewässer richtig ordentlich vorkommen. Das Angeln macht durch die Sichtbarkeit des Köders immer noch viel Spaß, aber die Fische sind nicht ganz so scheu und schwierig zu fangen wie an den klaren Spaltenseen.
Beispiele hierfür: Die Kornsjönkette, der Ömmeln und der Bullaren (Bullaren liegt direkt auf der Grenze zur Küstenprovinz Bohuslän – siehe oben. Perfekt, wenn man auch mal ans Meer möchte!). Hier kann man wunderbar mit allem fischen, was die Köderbox so hergibt. Wenn ich mal nicht mit der Fliege fische, komme ich ganz pragmatisch immer wieder auf einen Köder zurück, der einfach sehr versatil ist: Einen klassischen Gummifisch wie Kopyto und Shaker in 16 cm am 14 Gramm Bleikopf. Die Kombination ist extrem vielseitig fischbar und bringt neben dem soliden 70er auch ohne Probleme Meterhechte ans Band (Farbentipp: Klareres Wasser und heiteres Wetter: Shaker in Baby Blue Shad, in der Dämmerung Chartreuse Silk Ice, trüberes Wasser Atomic Chicken).
Eisangeln in Südschweden
Und was hier auch wunderbar einigermaßen verlässlich funktioniert: Eisangeln im Winter, sowohl auf Barsch und Hecht! Dalsland liegt zwar nahe der Westküste und unterliegt damit dem Einfluss des Golfstroms, liegt aber insgesamt etwas höher und wird im Winter häufig zum wirklichen Winterparadies. Auch ein solcher Urlaub kann etwas ganz Besonderes sein – Eis und Schnee und mit bisschen Glück ein dicker Barsch trifft gemütliche Sauna- und Kaminstimmung am Abend!

Angeln in Südschweden: Kapitale Forellen aus den Höljerudsforsarna
Salmoniden sind nicht die Kernkompetenz Dalslands und sollen hier nur kurz abgehandelt werden– aber es gibt sie! Neben den schon erwähnten großen pelagisch lebenden Fischen in den großen Spaltenseen und dem Vänern, auch im einen oder anderen Fließgewässer.
Ganz in der Nähe vom Ort Billingsfors im Herzen Dalslands gibt es ein stark strömendes Verbindungsstück zwischen den Seen Laxjön und Bengtsbrohöljen. In diesem Höljerudsforsarna genannten Abschnitt – ein sehr schönes Naturreservat im Übrigen – gibt es eine recht exklusive Fischerei auf große, wilde Forellen. Fly only, Catch & Release und begrenzte Anzahl an Tageskarten sind zwar strenge Regeln, sorgen aber dafür, dass man mit bisschen Glück wirklich was erleben kann.
Insbesondere Interessant vielleicht für Meerforellenangler, die in ihrem Urlaub in Bohuslän doch auch mal die Waldlandschaft Dalsland´s erleben möchten.

Fazit: Bohuslän und Dalsland sind absolute Angelparadiese
Wer entweder die volle Vielfalt der Angelei sucht – oder jeweils für sich Schweden schönste Küstenlandschaft oder eine extrem abwechslungsreiche Wald- und Seenlandschaft erleben möchte, kommt um die vorgestellte Region in meinen Augen nicht herum.
Die Schwelle, hier einmal für einen Angelurlaub aufzuschlagen, ist durch relativ kurze Anfahrtswege aus Deutschland ziemlich gering. Über Fähre, Flugzeug und Autobahn erreicht man Göteborg als Tor in die Region sehr einfach und von dort geht’s dann ganz schnell ins geschilderte Angelparadies.
Interessant ist die Gegend dabei sowohl für sehr spezialisierte Angler – als auch für die, die eher etwas breiter aufgestellt sind und zum Beispiel mit der Fliegenrute von Mefo und Lachs, Hecht und Barsch alles gerne befischen.

| Region | Zielfische | Beste Zeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Bohuslän | Meerforelle, Makrele, Lippfisch | April bis September | Schären und Fjorde |
| Dalsland | Hecht, Barsch, Zander | Mai bis November | zahlreiche Waldseen |
| Örekilälven | Lachs | Sommer | kleiner, gut zugänglicher Lachsfluss |
| Vänern | Hecht, Lachs, Seeforelle | je nach Zielfisch | riesiges und vielseitiges Gewässer |
Herauszuheben ist aber auch die Attraktivität für eventuell nicht angelnde Begleitung! Wir befinden uns nicht irgendwo im Hinterland Schwedens, wo außer dem Gewässer der Wahl sonst nicht so viel zu erleben ist: Die Küste Bohusläns und auch Dalsland sind touristische Highlights, wo alle Natur- und Meerinteressierten Urlauber auf ihre Kosten kommen.
Besten Reisezeiträume für das Angeln in Südschweden: Natürlich ist das zielfischabhängig und auch davon, was man vielleicht sonst noch so erleben möchte. Grundsätzlich startet meine Hauptangelzeit im April mit den Mefos und nimmt ihr vorläufiges Ende Mitte November mit paar schönen Hechtangeltagen. Wettermäßig natürlich oft nicht die besten Reisezeiträume – aber wenn es rein ums Angeln geht, nimmt man darauf ja oft weniger Rücksicht. Wenn es bezüglich des Wetters doch einigermaßen schön sein soll: Ende Mai bis Ende Mitte Oktober ist der perfekte Zeitraum für einen Aufenthalt im westlichen Südschweden.
Hier einmal die Munkedaler Angelsaison (Winter ausgenommen) im Überblick. Die Reihenfolge der Fischarten gibt für den jeweiligen Monat die Relevanz (und auch bisschen meine persönliche Priorisierung) für die hiesige Angelei an.
- April: Meerforelle
- Mai: Meerforelle, Hecht, Lachs, Barsch
- Juni: Meerforelle, Lachs, Hecht, Barsch, Zander, Makrele
- Juli: Lachs (wenn genügend Wasser im Fluss!), Makrele, Barsch, Meerforelle, Hecht, Zander
- August: Lachs (wenn Wasser im Fluss!), Makrele, Barsch, Meerforelle, Hecht, Zander
- September: Meerforelle, Lachs, Hecht, Barsch, Zander, Makrele
- Oktober: Hecht, Barsch, Zander
- November: Hecht
Angelkarten und alle wichtigen formellen Informationen für das Angeln in Südschweden gibt es für die meisten Gewässer auf iFiske und der gleichnamigen App.
Zum Autor:
Raphael Marzusch, seit 2019 mit seiner Familie in Schweden lebend, bietet exklusives Guiding und mit dem Treeline Studio das perfekte, stylische Basecamp für einen Angelurlaub in der Region. Mehr zu ihm, dem was er so treibt und seinem Gästehaus auf seinem instagram account graniteandgreen_fishing und der website www.graniteandgreen.com.
Bei Fragen aller Art zu Fischerei und Region hilft er sehr gerne weiter – einfach kontaktieren!







