Angelköder im Test

Finity Fishing: Wie aus einer Angel-Community ein eigener Köder entstand

Es gibt mitt­ler­wei­le wirk­lich genug Gum­mi­fi­sche. Man­che sind gut, man­che sehen zumin­dest gut aus und bei wie­der ande­ren fragt man sich nach drei Wür­fen, was sich der Her­stel­ler eigent­lich dabei gedacht hat.

Der Fini­ty One hat aller­dings eine Ent­ste­hungs­ge­schich­te, die sich deut­lich vom übli­chen Weg unter­schei­det. Der Köder wur­de nicht ein­fach am Schreib­tisch ent­wor­fen und anschlie­ßend mit irgend­ei­ner wil­den Wer­be­ge­schich­te auf den Markt gebracht. Statt­des­sen begann alles mit einer ziem­lich simp­len Fra­ge an die Ang­ler selbst:

Wie müss­te ein Gum­mi­fisch aus­se­hen, den ihr wirk­lich ger­ne fischt?

Aus die­ser Fra­ge ent­stand zunächst eine Umfra­ge, spä­ter ein Crowd­fun­ding und schließ­lich eine eige­ne Köder­mar­ke. Genau des­halb lohnt es sich, die Geschich­te von Fini­ty Fishing ein­mal etwas genau­er zu erzählen.

Von Fischroute zur eigenen Köderidee

Hin­ter Fini­ty steht unter ande­rem der Ber­li­ner Ang­ler Bon Jaral­ve, vie­len wahr­schein­lich auch unter sei­nem Spitz­na­men Boni­to bekannt. Gemein­sam mit Hakan Tors­ten Groß grün­de­te er Fisch­rou­te – eine Gewäs­ser-App, die Ang­lern nicht nur Infor­ma­tio­nen zu Angel­kar­ten, Fisch­be­stän­den und Gewäs­sern lie­fern soll­te, son­dern auch eine eige­ne Com­mu­ni­ty zusammenbrachte.

Bon ist dabei kein Typ, der erst durch irgend­ei­ne Pro­dukt­idee zum Angeln gekom­men ist. Er fischt seit sei­ner Kind­heit und war schon lan­ge vor Fini­ty an den Ber­li­ner Stadt­ge­wäs­sern unter­wegs. Street­fi­shing an Spree und Kanä­len, Bar­sche zwi­schen Spund­wän­den und Zan­der mit­ten in der Haupt­stadt – das ist ziem­lich genau die Welt, aus der spä­ter auch der Fini­ty One entstand.

Über Fisch­rou­te kamen vie­le unter­schied­li­che Ang­ler zusam­men. Und irgend­wann ent­stand aus die­ser Gemein­schaft die Idee, nicht nur über Köder zu dis­ku­tie­ren, son­dern gemein­sam einen eige­nen zu entwickeln.

Ein Gummifisch, bei dem die Community mitentscheiden durfte

Nor­ma­ler­wei­se ent­schei­det ein Her­stel­ler, wie ein neu­er Köder aus­sieht. Danach wird eine Ver­pa­ckung ent­wor­fen, ein mög­lichst auf­re­gen­der Name gefun­den und anschlie­ßend erklärt, war­um genau die­ser Köder angeb­lich noch in jeder Box gefehlt hat.

Beim Fini­ty One lief es andersherum.

Das Team von Fisch­rou­te star­te­te eine umfang­rei­che Umfra­ge, an der mehr als 500 Ang­le­rin­nen und Ang­ler teil­nah­men. Gefragt wur­de nach Din­gen, die in der Pra­xis tat­säch­lich eine Rol­le spie­len: Wel­che Grö­ße soll der Köder haben? Wie weich oder halt­bar muss die Mischung sein? Wel­che Akti­on wird gewünscht? Wel­che Mon­ta­gen soll der Gum­mi­fisch ermög­li­chen? Und wel­che Details ner­ven bei vor­han­de­nen Ködern?

Aus den Ant­wor­ten ent­stand Schritt für Schritt ein ers­ter Pro­to­typ. Die ursprüng­li­che Ver­si­on war etwa 9,5 Zen­ti­me­ter lang und damit bewusst so gewählt, dass sie für Bar­sche inter­es­sant ist, aber eben­so von Zan­dern, Hech­ten und ande­ren Räu­bern genom­men wer­den kann.

Das Ergeb­nis bekam den pas­sen­den Namen Fini­ty One – Euer Com­mu­ni­ty-Köder.

Und in die­sem Fall war „Com­mu­ni­ty-Köder“ eben nicht nur irgend­ein Spruch auf der Ver­pa­ckung. Die spä­te­ren Kun­den hat­ten tat­säch­lich an sei­ner Ent­wick­lung mitgewirkt.

Crowdfunding statt großer Geldgeber

Ein Köder­ent­wurf ist das eine. For­men bau­en, Gum­mi­mi­schun­gen abstim­men und eine grö­ße­re Stück­zahl pro­du­zie­ren zu las­sen, ist noch ein­mal eine ganz ande­re Num­mer. Gera­de für eine jun­ge Mar­ke kos­tet der Schritt vom Pro­to­typ zum fer­ti­gen Pro­dukt ordent­lich Geld.

Des­halb star­te­te Team Fisch­rou­te im Novem­ber 2021 eine Kick­star­ter-Kam­pa­gne für den Fini­ty One. Das Ziel lag bei 8.000 Euro.

Nach 60 Tagen hat­ten 135 Unter­stüt­zer ins­ge­samt 10.550 Euro zuge­sagt. Der Ziel­be­trag wur­de also nicht nur erreicht, son­dern deut­lich über­schrit­ten – und das, bevor der ers­te regu­lä­re Fini­ty One über­haupt im Laden hing.

Das ist schon ein ziem­lich ehr­li­cher Ver­trau­ens­be­weis. Ein Like unter einem Köder­fo­to ist schnell gesetzt. Geld für einen Gum­mi­fisch aus­zu­ge­ben, der zu die­sem Zeit­punkt noch gar nicht regu­lär pro­du­ziert wur­de, ist etwas anderes.

Mit dem erfolg­rei­chen Crowd­fun­ding konn­te die pro­fes­sio­nel­le Her­stel­lung beginnen.

Was ist am Finity One anders?

Natür­lich reicht eine gute Grün­dungs­ge­schich­te allein nicht aus. Am Ende muss ein Köder im Was­ser funk­tio­nie­ren – sonst hilft auch die bes­te Com­mu­ni­ty nichts.

Der Fini­ty One besitzt einen dyna­mi­schen Kör­per mit Pad­del­schwanz und läuft flan­kend durchs Was­ser. Beson­ders auf­fäl­lig ist die Glit­zer­ta­sche im Inne­ren. Sie sorgt für zusätz­li­che Licht­re­fle­xe, ist aber so kon­stru­iert, dass sie beim Wech­seln des Jig­kop­fes nicht sofort ausreißt.

Dazu kom­men eini­ge Details, bei denen man merkt, dass Ang­ler bei der Ent­wick­lung mit­ge­re­det haben:

  • eine vor­ge­form­te Ein­mün­dung für einen bes­se­ren Halt am Jigkopf
  • Aus­spa­run­gen für die Mon­ta­ge am Offset-Haken
  • eine mar­kan­te Rücken­flos­se als Sta­bi­li­sie­rung und Ori­en­tie­rung beim Aufziehen
  • Öff­nun­gen für Ras­seln oder zusätz­li­che Aromapaste
  • eine wei­che, aber ver­gleichs­wei­se wider­stands­fä­hi­ge Gummimischung
  • Schup­pen­struk­tur, auf­fäl­li­ges Auge und Tintenfisch-Aroma

Das sind kei­ne Fea­tures, die man zwin­gend alle bei jedem Ein­satz braucht. Aber sie geben euch ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, den­sel­ben Köder am Jig­kopf, Dropshot Rig, Off­set-Haken oder Shal­low Rig zu fischen.

Aus einem Köder wurde eine ganze Größenfamilie

Gestar­tet ist das Pro­jekt mit dem Fini­ty One in rund zehn Zen­ti­me­tern. Mitt­ler­wei­le gibt es den Köder in meh­re­ren Größen:

  • 3 Inch / 7,1 cm: für Barsch und leich­te­re Finesse-Methoden
  • 4 Inch / ca. 10 cm: die ursprüng­li­che All­round­grö­ße für Barsch und Zander
  • 5,5 Inch / 14 cm: für Zan­der und klei­ne­re bis mitt­le­re Hechte
  • 7,5 Inch / 19 cm: für gro­ße Zan­der, Hech­te und ande­re kapi­ta­le Räuber

Damit ist aus der ursprüng­li­chen Com­mu­ni­ty-Idee inzwi­schen eine Köder­se­rie gewor­den, die vom leich­ten Barsch­an­geln bis zur geziel­ten Ange­lei mit grö­ße­ren Gum­mis reicht.

Auch bei den Far­ben gibt es eine gute Mischung aus natür­li­chen und auf­fäl­li­gen Deko­ren. Dir­ty Moto­roil, Angry Perch oder Naked Shi­ner decken eher natür­li­che Situa­tio­nen ab. Hot Fire­ti­ger, Slimy Lime Chartreu­se und Pin­ky Pink dür­fen ran, wenn Sicht­bar­keit und Kon­trast gefragt sind.

Wie ging es nach Fischroute weiter?

Die Geschich­te ver­lief aller­dings nicht ein­fach immer gera­de­aus. Als klar wur­de, dass die Fisch­rou­te-App auf­grund feh­len­der Res­sour­cen ein­ge­stellt wer­den muss­te, stand auch die Zukunft von Fini­ty auf der Kippe.

An die­sem Punkt über­nahm Polar­fang die Mar­ke. Der Fini­ty One wur­de wei­ter pro­du­ziert, um neue Grö­ßen ergänzt und ist heu­te unter ande­rem über den Fini­ty-Shop bei Polar­fang erhältlich.

Bon blieb dem Pro­jekt eben­falls erhal­ten und ist heu­te als Pro­dukt­ma­na­ger bei Polar­fang aktiv. Damit ist die ursprüng­li­che Idee nicht ein­fach ver­schwun­den, son­dern unter einem neu­en Dach weitergewachsen.

Unser Fazit zu Finity Fishing

Wir fin­den die Geschich­te hin­ter Fini­ty vor allem des­halb span­nend, weil sie zeigt, was aus einer akti­ven Angel-Com­mu­ni­ty ent­ste­hen kann.

Der Fini­ty One wur­de nicht ent­wi­ckelt, weil zwin­gend noch ein wei­te­rer Gum­mi­fisch auf den Markt muss­te. Er ent­stand, weil Ang­ler gemein­sam fest­ge­legt haben, was ihnen bei einem Köder wich­tig ist – und anschlie­ßend bereit waren, die Pro­duk­ti­on selbst mitzufinanzieren.

Natür­lich ent­schei­det am Ende jeder selbst, wel­cher Gum­mi Ver­trau­en bekommt und dau­er­haft in der Box lan­det. Aber der Weg vom Aus­tausch in der Fisch­rou­te-Com­mu­ni­ty über mehr als 500 Umfra­ge­teil­neh­mer und ein erfolg­rei­ches Crowd­fun­ding bis zur heu­ti­gen Köder­se­rie ist in der deut­schen Angel­sze­ne schon eine beson­de­re Geschichte.

Oder anders gesagt: Der Fini­ty One ist tat­säch­lich ein Köder von Ang­lern für Ang­ler. In die­sem Fall stimmt der Satz aus­nahms­wei­se wirk­lich. Aus die­sem Grund gibt es den Fini­ty One auch im DaF Shop.

Sören

Ich habe 2009 den DaF Blog bzw. 2014 den Shop gestartet und seit dem habe ich viel Zeit und Liebe in "mein Baby" gesteckt. Die Zeiten mit einer dreistelligen Anzahl an Angeltagen im Jahr sind vorbei, aber natürlich bin ich noch so häufig wie möglich am Wasser, um Süß- und Salzwasserräuber zu ärgern.

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