Fischsterben in der Ostsee 2017

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie Angel-News
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Veröffentlicht am September 19, 2017 , derzeit 2 Kommentare

Fischsterben in der Eckernförder Bucht, Flensburger und Kieler Förde

Letzte Woche berichteten bereits verschiedene Medien vom Fischsterben in der Ostsee. Unzählige tote Fische wurden an verschiedenen Stellen der westlichen Ostsee, zum Beispiel vor Kiel und Eckernförde, gesichtet. Eric hat sich vorgestern selber ein aktuelles Bild der Lage in Kiel verschafft und ein paar Fotos gemacht.

Sauerstoffmangel in der Ostsee wohl Grund für das Fischsterben

Angefangen hat das Problem wohl mit den Stürmen der letzten Woche, durch Umschichtung der Wassersäule, sind statt der üblichen Tiefen- und Mittelwasserbereiche der Ostsee auch Ufer- und Flachwasserbereiche der Eckernförder Bucht und der Kieler Förde vom Sauerstoffmangel betroffen. Der anhaltende und teils starke Süd-West-Wind der vergangenen Wochen drückt das Wasser auf die offene Ostsee, aus der Tiefe strömt dann sauerstoffarmes Wasser nach. Der Sauerstoffgehalt reichte daher teilweise an die 0 Prozent heranreichte. Einen entsprechenden Bericht inklusive Video findet Ihr hier.

Fischsterben an der Ostsee

Tote Plattfische im Kieler Hafen

Fischsterben in Kiel – aktuelle Lage

Vorgestern hat bei Facebook ja bereits ein Video die Runde gemacht, das hunderte Dorsche und einige Plattfische zusammengedrängt an der Oberfläche nahe eines Süßwassereinlaufs zeigte, von mehreren Anglern wurden auch Sichtungen von großen Dorschschwärmen berichtet, die, wohl auf der Suche nach sauerstoffreichem Wasser, am helllichten Tag in der Kieler Innenförde an der Oberfläche schwammen. Im Bereich des Hafens waren auch stellenweise schwache und desorientiere Meerforellen und Flundern an der Oberfläche zu sehen.

Im Kieler Hafen selbst scheinen besonders die Plattfische vom Sauerstoffmangel betroffen zu sein, denn schon zu Beginn des Sauerstoffmangels sind viele Flundern extrem geschwächt oder bereits tot in den flachen Zonen des Hafens zu sehen gewesen, während die Dorsche zwar sichtlich geschwächt, aber meistens noch, den Umständen entsprechend, relativ fit zu sein schienen.

Tote Flundern und Butte an der Ostsee

Die Flundern, Butts & Co. scheint es am stärksten getroffen zu haben

Vorgestern, am 17.09.2017, habe ich beschlossen, mir selbst ein Bild von der aktuellen Lage zu machen und bin mit Kamera in den Hafen in der Nähe des Hauptbahnhofs gegangen. Was momentan sofort auffällt, sobald man sich der Förde nähert, ist ein unangenehmer, starker Geruch, der vom Wasser auszugehen scheint. Wie ein abgestandener Teich oder ein „umgekipptes“ Aquarium riecht es überall entlang der Hafenbereiche. Das Wasser ist fast Überall deutlich trüber als üblich.

Beim Betrachten der Flachwasserzonen und Sandböden in Ufernähe fallen sofort viele große, tote Plattfische in verschiedenen Verwesungsstadien auf, die durch die nach oben gedrehte, weiße Bauchseite leicht zu finden sind. Sehr schade zu sehen ist, dass besonders große Fische betroffen zu sein scheinen, die meisten toten Flundern sind über 40cm groß, einige sind deutlich größer. An einigen Stellen liegen teils dutzende tote Plattfische auf Flächen von wenigen Quadratmetern. Bemerkenswert ist, dass keinerlei Destruenten sich an den toten Fischen zu schaffen machen, Krebse oder Seesterne fehlen völlig.

Grundeln im Kieler Hafen

Zumindest den Grundelarten scheint es besser zu gehen

Nun zur „guten“ Nachricht: Zumindest im Kieler Hafen sind unter den toten Fischen kaum Dorsche und Meerforellen zu sehen. Im Schatten eines Segelboots steht eine etwas geschwächte, aber sonst gesund aussehende Meerforelle, überall entlang der Spundwände sind große Schwärme der vor etwa zwei Wochen geschlüpften Brut verschiedener Grundelarten zu sehen, die sehr agil entlang der Muschelkolonien nach Plankton jagen. Eine Gruppe Barsche in voller Farbenpracht zeigt sowohl Jagdverhalten, als auch Fluchtreaktionen beim Versuch, sie zu fotografieren. Stichlinge sind ebenfalls vereinzelt zu sehen und die Dorsche scheinen sich wieder zum Grund orientiert zu haben, bis auf einige, wenige toten Exemplaren ist von ihnen nichts mehr zu sehen. Unter Umständen könnte das Gröbste also durch sein.

Eric


Hier ein Video zum Fischsterben an der Ostsee:

Wenn Ihr aktuelle Infos oder Fotos von der Situation an der Ostsee habt, dann lasst sie uns gerne via Email an info@dicht-am-fisch.de zukommen.


2 Kommentare

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  1. Was deutest du daraus @Jochen?

  2. Auffallend ist das die Möwen Kiel verlassen haben. Die Quallen waren schon im Sommer nicht vorhanden.

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