Pike Paradise 2.0 

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie 2014
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Veröffentlicht am Oktober 21, 2014 , derzeit 1 Kommentar

Angeln auf Hecht und Namaycush in Kanada

von Florian Meyer

Nach meinem ersten Besuch in der Arctic Lodge am Reindeer Lake 2012 machte ich mich im Juni 2014 wieder auf den Weg nach Kanada. Dieses Mal begleiteten mich ein paar Freunde sodass wir zu siebt waren. Da das Land Kanada nicht nur Fische sondern auch großartige Natur und Landschaften zu bieten hat, entschlossen wir uns noch ein paar Tage in Calgary und den Rocky Mountains zu verbringen bevor es weiter in die Wildnis ging.

Beautiful Canada - ein Traum

Beautiful Canada – ein Traum

Von Calgary aus ist der Banff National Park in etwa einer Autostunde über den Highway 1 zu erreichen. Wir haben dort zwei Tage verbracht und ich kann es jedem nur empfehlen dort einmal hinzufahren wenn man schon in der Nähe ist! Als Tipp für eine Tour dort kann ich euch den Lake Louise, die Emerald Lake Lodge (unbedingt den Bison-Burger probieren und eine Kanutour auf dem See machen!) und den Moraine Lake (sehr schönes Panorama!) empfehlen. Ansonsten gibt es in Calgary noch einen Bass Pro Shop den wir natürlich auch nicht ausgelassen haben und viele gute Restaurants von denen wir auch ein paar von innen gesehen haben.

Der Wächter über dem See

Der Wächter über dem See

Reindeer Lake: Der See und die Lodge

Am sechsten Tag ging es dann morgens per Taxi zum Springbank Airport etwas außerhalb von der Stadt. Dort wartete schon die kleine Propellermaschine, um uns zur Lodge zu fliegen. Nach etwa drei Stunden kam bei bestem Wetter der Reindeer Lake in Sicht, von Südwesten her flogen wir über den See und konnten gut die „Deep Bay“ sehen, ein Kreisrunder Krater von etwa 13km Durchmesser der durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist und ein Teil des Sees bildet. Der Reindeer Lake selbst ist einer der größten Seen Kanadas mit einer Ausdehnung von etwa 230km in Nord/Südlicher und 60km in Ost/Westlicher Richtung, im ganzen ca. 5650 km\2 Wasserfläche und hat etwa 5000 Inseln mit unzähligen Buchten, da reicht ein Anglerleben nicht aus.

Hier lässt es sich leben

Hier lässt es sich leben

Im Landeanflug konnten wir noch viel Eis im nördlichen Teil des Sees sehen und wir machten uns schon sorgen ob ein Fischen überhaupt möglich sei. Kurze Zeit später setzte unsere Maschine auf der Landebahn von der Lodge auf, welche auf einer Nachbarinsel liegt, von wo wir dann mit Booten abgeholt wurden. Die Lodge selbst liegt auf einer Insel im See und ist nur per Flugzeug oder längerer Bootsfahrt zu erreichen. Dort angekommen, gab es zur Begrüßung erstmal ein kühles „Canadian“ zu trinken und ein kleiner Snack zur Stärkung nach dem Flug. Nachdem wir ein paar aktuelle Infos bekommen hatten und uns Guides und Boote zugeteilt wurden, mussten nur noch schnell die Ruten montiert, Köder aus den Koffern gekramt und die passenden Klamotten angezogen werden, das ganze geschah in Rekordzeit da alle heiß aufs Fischen waren!

Die Bootsflotte

Die Bootsflotte

Das Fischen: Hecht, Namaycush und Walleye

Da stürmen nun also sieben angelverrückte Deutsche in Richtung der Boote und die Guides staunen nur angesichts des ganzen Tackle’s! Die 18ft Crestliner sind mit max. zwei Personen besetzt was genügend Platz für jeden bedeutet. Ich bin zusammen mit Johannes auf einem Boot und wir fiebern der ersten Ausfahrt entgegen.

Florian mit starken Hecht

Florian mit starken Hecht

Nach kurzer Fahrt erreichen wir die ersten flachen Buchten wo sich die Hechte zu dieser Zeit versammeln. Gerade die Phase direkt nach dem Eis ist sehr interessant, da dort im flachen das Wasser ja viel schneller warm wird als im tiefen. An den Ruten sind Gummifische mit leichten Köpfen, Jerkbaits oder flach laufende Wobbler montiert, da es in den Buchten max. 3m tief ist, häufig wird auch nur in Tiefen von 0,5 bis 1,5m gefischt. Gleich die ersten Würfe brachten Bisse, Nachläufer und natürlich auch Hechte ins Boot! Viele Fische zwischen 60 und 80cm aber auch zwei über der Metermarke sollten uns heute noch mit einem kurzen Besuch an Bord beehren. So soll es sein, gerade angekommen und schon stehen wir mitten im Fisch! Auch den Jungs auf den anderen Booten erging es nicht viel anders, sodass nach den ersten vier Stunden auf dem See 176 Hechte und dazu noch 16 Namaycush gefangen haben! Von diesem Ergebnis sind, logischerweise, alle begeistert und nach einem reichhaltigen Abendessen und dem einen oder anderen „Canadian“ oder „ Moosehead“ fielen wir müde und in froher Erwartung auf den kommenden Tag ins Bett.

Saiblinge gab's auch gleich am ersten Tag

Saiblinge gab’s auch gleich am ersten Tag

Der nächste Morgen begrüßte uns mit traumhaftem Wetter und bedingt durch den Jetlag, konnte der ein oder andere nicht mehr schlafen und musste schon vor dem Frühstück ein paar Würfe vom Ufer oder Steg machen, was auch gleich mit den ersten Hechten des Tages belohnt wurde. Nach einem typisch kanadischen Frühstück mit Ei, Bratkartoffeln und Bacon oder Pancakes mit Ahornsirup wurden noch ein paar Feinheiten am Tackle gerichtet, da jetzt jeder wusste was ihn heute und in den nächsten Tagen erwartet. Jetzt wurden auch weiter entfernte Buchten und Flusseinläufe angefahren, da wir ja nun den ganzen Tag zur Verfügung hatten. Es ist schon beeindruckend, dass sich die Guides ganz ohne GPS oder Echolot auf diesem riesigen Gewässer zurechtfinden und dabei Entfernungen von bis zu 50km, durch ein Gewirr von Inseln, Kanälen und offenen Wasserflächen zurücklegen, um dann zielsicher an eine bestimmte Stelle zu fahren!

Das Boot in Aktion

Das Boot in Aktion

Da merkt man, dass diese Indianer, die zum Volk der Woodland Cree gehören, wirklich hier aufgewachsen sind und ein ganz anderes Verhältnis zur Natur haben. Der zweite Tag begann so wie es gestern aufgehört hatte, mit Hechten ohne Ende. Wenn man es selbst nicht einmal erlebt hat, kann man sich nur schwer diesen Fischreichtum vorstellen, in manchen Buchten scheinen sich die Hechte buchstäblich zu stapeln! Teilweise fingen wir bei fünf aufeinander folgenden Würfen fünf Hechte! Einfach unglaublich!

Doppeldrill waren keine Seltenheit

Doppeldrills waren keine Seltenheit

Gegen Mittag steuern wir dann einen geeigneten Platz am Ufer an, wo der Guide dann Shorelunch zubereitet. Das heißt, dass kurz vorm Essen ein oder zwei Fische mitgenommen werden, diese dann filetiert und in kleine Stücke geschnitten und in einer Pfanne überm Lagerfeuer frittiert werden, dazu gibt es Bratkartoffeln und süße Bohnen. Zugegeben, diese Zusammenstellung klingt zuerst komisch, schmeckt aber sehr gut und alle haben sich jeden Tag drauf gefreut.

Shorelunch in der Mittagspause

Shorelunch zur Stärkung

Da im Laufe des Tages die Sonne das flache Wasser immer mehr erwärmte, wurden die Hechte nach dem Mittagessen auch aktiver als morgens, wo es nach kühlen Nächten doch teilweise etwas verhaltener war. Das war dann die Zeit der Oberflächenköder! Es macht irrsinnigen Spaß mit einem Stickbait ins nur 50cm „tiefe“ Wasser zu werfen und die Attacken der Hechte zu sehen! Häufig konnten wir die Fische schon aus ein paar Metern Entfernung mit eindrucksvollen Bugwellen auf die Köder zuschießen sehen. Manchmal schossen auch gleich mehrere Hechte gleichzeitig auf den Stickbait zu und haben sich regelrecht drum geprügelt, wer dann jetzt als erster beißen darf. Man kassiert zwar mal den einen oder anderen Fehlbiss, aber das haben wir bei der Vielzahl der Attacken gern in Kauf genommen.

Auch ohne Angstdrilling kein Problem

Auch ohne Angstdrilling kein Problem

Auch bei den Gummifischen haben wir immer auf einen Zusatzdrilling verzichtet, die Hechte sind dort so gierig, dass sie auch ein zweites oder drittes Mal beißen, falls sie den Köder verfehlen oder wir sie nicht gehakt hatten. Das gleiche gilt für Jerk- und Twitchbaits sowie Wobbler, auch bei denen hatten wir den Bauchdrilling entfernt damit die Fische ohne große Probleme releast werden können. Die kommenden Tage glichen sich alle größtenteils: Aufstehen, Frühstücken, viele Hechte fangen, Shorelunch, wieder viele Hechte fangen, ein drei Gänge Menü zum Abendessen und anschließend den Abend beim Smalltalk am Kamin oder einer Partie Billard ausklingen lassen.

Arktischer Saibling auf Hechtbait

Arktischer Saibling auf Hechtbait

Zwei Tage hatte ich mit Johannes auch ausschließlich den Namaycush gewidmet. Da die Boote leider über keine Rutenhalter zum schleppen verfügen, hatten wir uns vorher welche im Bass Pro Shop gekauft, damit wir mit mehr als zwei Ruten schleppen konnten. Die entsprechende Trollingausrüstung hatten wir auch von Zuhause mitgebracht, sodass wir vier Ruten mit Planerboards und zwei hinterm Boot fischen können. Die Guides gucken wieder nicht schlecht da das Schleppen mit Planerboards dort unbekannt ist. So konnten wir den Jungs vor Ort auch noch etwas Neues zeigen! Als Köder zum schleppen hatten wir meist verschiedene Wobbler, Swimmbaits und Lachsblinker eingesetzt. Gebissen hat es auf fast alles was wir ins Wasser gelassen hatten, da sind die Arktischen Saiblinge nicht sehr wählerisch. An einem Tag schleppen konnten wir zu zweit über 50 der wunderschönen Salmoniden fangen, da kam öfter mal Hektik im Boot auf, bei Doppel- oder Dreifachbissen!

Namaycush - einfach wunderschöne Fische

Namaycush – einfach wunderschöne Fische

Nach acht Tagen verabschiedeten sich vier aus unserer Gruppe und machten sich auf den Heimweg nach Deutschland, mit Markus und Dominik blieb ich noch weitere vier Tage in der Lodge. Die letzten Tage gestalteten sich ähnlich den vorrangegangenen, nur unseren letzten Tag möchte ich etwas hervorheben da er alles übertraf was wir vorher erlebt hatten. Dadurch, dass wir die ganze Zeit sommerliche Temperaturen hatten wurde das ganze Wasser immer wärmer und die Hechte somit auch aggressiver. An dem Tag hatten wir ein Gebiet befischt, wo vor uns in dem Jahr noch niemand war und das konnten wir auch deutlich an den Hechten merken! Sie bissen wie verrückt und wir konnten uns vor Fischen kaum retten. Allein an dem Tag konnten wir zu dritt 281 Hechte landen! Darunter der Größte der Tour und Dominiks neuer PB mit 124cm, der auf Sicht auf einen Jerkbait gebissen hatte!

Fetter Canada-Pike

Fetter Canada-Pike

Zudem konnten wir an dem Tag noch zwei Schwarzbären sehen, einer schwamm durch den See und wir sind mit dem Boot bis auf etwa 2m rangefahren, ein tolles Erlebnis. Abends hieß es dann auch für uns Koffer packen und Abschied nehmen von diesem Ausnahmerevier. Am nächsten Morgen brachte uns ein Boot zurück zur Landebahn, von wo aus wir nach Calgary und dann weiter nach Deutschland geflogen sind.

Eine tolles Naturschauspiel

Eine tolles Naturschauspiel – Schwarzbären

Angeln am Reindeer Lake: Fangzahlen und -Größen

Ihr werdet sicher bemerkt haben, dass ich in dem Bericht wenig über Fangzahlen oder Größen der Fische geschrieben hab. Für die Freunde der Statistiken hier noch mal ein paar Zahlen: Im Ganzen hatten wir an acht Tagen, an denen wir zu siebt fischten 2359 Hechte und anschließend an weiteren vier Tage zu dritt nochmal 776 Hechte, das macht zusammen unglaubliche 3135 Hechte! Darunter 68 Meterfische die wir gemessen hatten und eine große Anzahl von Fischen zwischen 90cm und 1m Länge, die meisten Fische waren 60 bis 80cm lang. Das macht also im Schnitt zwischen 40 und 50 Hechte pro Tag pro Person!
Von den Arktischen Saiblingen konnten wir 233 Stück bis 93cm fangen, wobei ein großer Teil davon auch als Beifang beim Hechtangeln gefangen wurde.

Von dem Fangergebnis kann an in Deutschland nur träumen

Von dem Fangergebnis kann an in Deutschland nur träumen

Tackle und Köder

Zum Gerät und Köder die wir eingesetzt hatten: Das ganz normale Tackle, was wir hier zum Hechtangeln nehmen, tut dort auch seinen Dienst. Bedingt durch die leichten Bleiköpfe an den Gufi’s kann man auch eine Nummer leichter fischen. Zum Jerken einfach die gleiche Rute wie hier Zuhause nehmen. Freunde des Fliegenfischens kommen dort natürlich auch voll auf ihre Kosten in dem flachen Wasser!  Als Köder hatten wir alle Arten von Gummifischen eingesetzt, jeder nach seinen Vorlieben. Am erfolgreichsten haben sich der Kopyto 6“ in Motoroil, der SaltShaker in Motoroil-Gold-Glitter, die Rainbowtrout von Bass Assassin und der Juniortail in Motoroil herausgestellt. Bei den Wobblern und Jerkbaits hatten auch ganz klar die Naturfarben die Nase vorn, 10cm Salmo Slider und der 12cm Buster Jerk in Hechtdekor, Hybrida Wobbler in verschiedenen natürlichen Farben oder was einem sonst so gefallen hat. Einzig in manchen Buchten mit Teebraunen Wasser hatten Köder in „BVB“ also schwarz/gelb klar die Nase vorn. Den besten Überblick bekommt ihr auf dem einen Foto wo unsere ganzen „Gummileichen“ zu sehen sind.

Die "Gummileichen"

Die „Gummileichen“

Von der Reise 2012 gibt es ja auch einen Film von Topwater Productions, einen Trailer davon könnt ihr euch hier angucken:

Infos für eine Reise zum Reindeer Lake findet ihr auf der Webseite der Lodge, wer spezielle Fragen hat, kann sich auch an mich auf meiner Facebook Seite oder unter florian.meyer@bodden-angeln.de wenden.

Grüße
Florian Meyer

1 Kommentar

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  1. Hi, wahnsinns Bericht und noch wahnsinnigere Ausbeute! Machte Spaß diesen zu lesen! Eine kurze Frage, da ich mit dem Gedanken spiele auch mal hinzureisen. wie habt ihr eure Gummis geführt? Eingeleiert, gejiggt, gefaulenzt?
    danke. lg.

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