Fliegenfischen auf Hecht

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie Hecht, Peter, Technik, Tackle & Köder
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Veröffentlicht am Januar 08, 2014 , derzeit 8 Kommentare

Hechtangeln mit der Fliegenrute und Streamern

Hechte sind interessante Fische, sie werden wirklich groß, sind aggressiv und schön, wie wohl wenige andere Raubfische in unseren Gefilden. Sie lassen sich mit den unterschiedlichsten Methoden fangen. Eine von diesen möchte ich Euch kurz vorstellen: Das Fischen mit der Fliegenrute.

Schweres Gerät, da kann der Meter kommen!

Schweres Gerät, da kann der Meter kommen!

Eine meiner ersten Erinnerungen an das Angeln handelt von einem Hecht. Ich fischte zusammen mit meinem Vater an einem kleinen Kanal in Südfrankreich. Eigentlich hatte ich eine Posenrute zu bewachen, doch als mein Vater eine kurze Auszeit vom Spinnfischen nahm, nutze ich die Chance und schnappte mir seine Rute. Gleich beim ersten Wurf ging mir ein Hecht an den Haken; wahrscheinlich keine 40cm groß – in meinen Erinnerungen war er allerdings riesig!


Jetzt, über 15 Jahre später, denke ich noch oft an diesen Tag zurück wenn ich Angeln bin. Denn irgendwie ist einem eine spannende Erinnerung ja wertvoller als ein möglichst großer Fisch – und genau solche Erinnerungen sammelt man beim Fliegenfischen auf Hecht meiner Meinung nach wie bei keiner anderen Methode um diesem Räuber nachzustellen.

Auch kleine Hechte machen an der Fliegenrute richtig Spaß

Auch kleine Hechte machen an der Fliegenrute richtig Spaß

Was das Hechtangeln mit der Fliegenrute so besonders macht

Die Bisse beim Hechtangeln lassen einem jedes Mal wieder das Blut in den Adern gefrieren; urplötzlich reißt einem ein wütender Esox die Running Line aus der Hand. Die Fliegenruten haben natürlich auch eine ganz andere Aktion als eine Jigge oder Jerke; da sind Halbkreise vorprogrammiert! Ein 80er Hecht an einem der so populären Bigbaitprügeln ist keine so spannende Angelegenheit. An der Fliegenrute – ein Thriller wie ihn Hitchcock nicht besser hätte drehen können. Hechte im Bereich der magischen Metermarke sind an der Fliegenrute der absolute Wahnsinn. Dabei macht den besonderen Kick sicherlich der größtmögliche Kontakt zum Fisch aus.

Schockfliege am Offsethaken

Schockfliege am Offsethaken

Der Köder wird mit den Händen animiert, während man die Schnur zwischen den Fingern hält. Keine Rolle, egal ob Baitcast oder Stationär, die zwischen einem selbst und dem Fisch steht! Hinzu kommt noch die absolute Absurdität der Hechtattacken auf manche Streamer, beim besten Willen kann man in ihnen keinen Beutefisch erkennen, die Hechte beißen um der Boss zu sein – das fasziniert.

Was auch nicht außer Acht gelassen werden darf; so ziemlich überall (in Deutschland) kann man Hechte fangen! Das kann man über die klassischen Fliegenfischerfische wie Forelle oder Äsche nicht wirklich sagen!

Irgendwann fängt man automatisch mit dem Fliegen an

Irgendwann fängt man automatisch mit dem Fliegen an

Warnen muss ich allerdings auch noch vor einer Sache, auch wenn der Anfang im Fliegenfischen beziehungsweise -werfen schwieriger ist als der Start ins aktive Spinnfischen oder gar Baitcasten – wer einmal einen Hecht an der Fliegenrute gedrillt hat will nichts anderes mehr! Nach einiger Zeit musste ich das einsehen, den Widerstand aufgeben, und meine gesamte Spinnfischausrüstung verkaufen.

Vorurteile sollte man schnell ablegen! Das Fliegenfischen schränkt einen kaum ein, vor allem nicht beim Hechtfischen! Es gibt Methoden und Ausrüstung mit der man genauso gut an der Oberfläche, wie in 2, 4 oder 6 Meter Tiefe fischen kann! Um die geringere Wurfweite muss man sich auch keine Sorgen machen, seit mal ehrlich – wie viele eurer Hechte fangt ihr auf Distanzen größer als 25 Meter? Bei mir waren das zu spinnfischenden Zeiten keine 25% – wer vom (Belly) Boot aus fischt, muss erst gar nicht über diesen Aspekt nachdenken, man ist ja mobil.

Knapp am magischen Meter vorbei: Fliegenhecht im Mai.

Knapp am magischen Meter vorbei: Fliegenhecht im Mai.

Vorteil Fliegenfischen – schonender Umgang mit dem Hecht

Ein Vorteil des Fliegenfischens auf Hecht ist die, nennen wir es mal „fairere“, Umgangsweise mit dem Fisch, gerade wenn man in Gefilden fischt in denen C&R gerne gesehen oder vorgeschrieben ist, ist es eine super Sache! Es kommen zu 99% Einzelhaken zum Einsatz, heißt keine zugenagelten Hechtmäuler mehr! Einige Hersteller sind bereits soweit, dass sie ihre Haken bzw. Streamer ausschließlich widerhakenlos anbieten; so einen Haken bekommt man gut, schnell und somit schonend gelöst, wenn der Hecht den Streamer mal voll inhaliert hat! Und wer jetzt denkt man nimmt so eine höhere Fehlbissquote in Kauf, der irrt! So ein widerhakenloser Haken dringt schneller und besser ein als ein Drilling. Und wenn er einmal sitzt, dann löst er sich in den seltensten Fällen! Ein Gewinn also für beide Seiten.

Folgender Hecht hatte den Streamer bis kurz vor den Schlund inhaliert; bei jedem Jerk oder Gummi mit Stinger wäre für ihn Schluss gewesen. Nicht so beim widerhakenlosen Streamer, ohne Blut konnte er in Sekunden gelöst werden.

C&R dank Einzelhaken ohne Widerhaken

C&R dank Einzelhaken ohne Widerhaken

Abschließend möchte ich euch noch einen kurzen Leckerbissen aus meiner persönlichen Erfahrung preisgeben. Meine besten Hechte konnte ich dieses Jahr fast ausschließlich dann fangen, wenn um mich herum Spinnköder ins Wasser flogen. Die Fliege ist, gerade wenn die Hechte träge sind oder stark befischt werden, unfassbar effektiv! So einige meiner spinnfischenden Angelkumpels haben die „Fussel“, wie manche die Streamer nennen, schon fürchten gelernt! Also traut euch, probiert mal was Neues und schmeißt den grünen Gesellen verrückte Streamer vor die Schnauze. Vielleicht ein guter Vorsatz für das neue Jahr.


schwedischer Hecht auf Streamer

schwedischer Hecht auf Streamer

Rute, Rolle, Schnur, Vorfach und Köder zum Fliegenfischen auf Hecht

Im Folgenden findet Ihr eine Zusammenstellung von brauchbarer Ausrüstung. Etwaige Fragen könnt ihr mir gerne über meine facebook Seite stellen.

Rute & Rolle: Fliegenruten der Klasse 8-9 in klassischer Länge 9´ (gut sind z.B. Loop Booster oder die Vision Big Daddy) Fliegenrolle in passender Größe (z.B. Loop Evotec G4 7-9 oder (preisgünstiger) Vision Deep 9/10)

Wichtig: Spezielle Hechtfliegenschnur (zum Werfen der großen, windanfälligen Muster)! (z.B. Loop Booster WF9, interm. oder Vision Big Daddy WF8, interm.)

Vorfach: 1,5-2m 0,45er Fluocarbon, daran eine Stahlspitze (Albright Knoten)

Köder: diverse Streamer von 15 – 30 cm Länge

Ein weiterer Tipp zum Fliegenfischen auf Hecht: Vertraut Euch zu Anfang einem erfahrenen Fliegenfischer oder Wurflehrer an, so kommt ihr schneller und langfristiger zum Wurf- und damit Fangerfolg!

Stay tuned! Feedback in den Kommentaren ist erwünscht…

Peter

8 Kommentare

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  1. Hallo Peter ,
    Hoffe du erinnerst dich noch an mich ,
    Wie sehe bist du jetzt doch auf die Fliege gekommen !
    Sehr schönes Video das du gemacht hast ,leider ist das fischen
    An dem schönen schwannenteich nicht mehr gestattet:(
    Wäre schön wenn man sich mal zum Esoxfischen treffen kann!
    Weiter so !

    Tight Lines und Grüße

    Günter

  2. Hi Peter,
    danke für die ausführliche Info zu deinen Streamern. Bin gerade dabei mir die Niklaus Bauer Pike Rigs nachzubauen, die haben zusätzlich einen Stinger Haken
    der leider oft den Streamer verknotet. Schau dir mal seine Videos auf Youtube an, die fischen da oben in Schweden wie die Sau.
    Und es kann durchaus sein, das ich noch weitere Fragen habe. Hab dir mal meine Mailadresse eingetragen. Und falls du mal in der Nähe von München bist dann können wir jederzeit ausrücken :-)

    LG

  3. Hej Max,

    der Streamer ist relativ einfach zu binden.

    Hechthaken (z.B. Ad Swier Absolut Pike) in 4/0 – 6/0
    Zunächst eine schwarze Grundwicklung legen und mit Lack versiegeln. Dann bindest du mehrere Portionen verschiedener Flashmaterialen ganz nach deiner Vorliebe ein. (Bei mir meist Silver, Gold und Redflash.) Die Länge entspricht der fertigen Streamerlänge.
    Im nächsten Schritt bindest du mehrere kleine Portionen Bucktail in Rot ein; oben, unten, links, recht; so entsteht eine gleichmäßige Silhouette.
    Als letzten Schritt schleißt du den Streamer mit einem klassischen Rehhaarkopf ab, den du zurecht schneidest und mit ein paar aufgeklebten Rasselaugen tunest.
    Fertig!

    Wenn du weitere Fragen hast, lass es mich wissen!
    Besten Gruß
    Peter

  4. hi,

    wirklich nettes video. easy going :-)
    würdest du mir ein paar bindeinfos für den streamer aus dem video schicken ?
    ich würde den gerne nachbauen …

    lg max

  5. Hej Thomas!
    Der Film wurde mit einem 50er Objektiv auf APC Sensor gedreht; da wirken Fische schonmal kleiner als wenn sie in einen Weitwinkel gehalten werden. Der Hecht hatte sogar ein klein wenig mehr als 91cm; ich runde bei sowas lieber ab.
    Besten Gruß!
    Peter

  6. jep, den hab ich gemeint, wenn ich da unsere vergleiche a vom körperbau her dad i sagen so 80cm, aber wenn du es sagst glaub ich dir, nachvolgend a kleiner eindruck von unseren hechten…… mussten wegen hegemassnahme entnommen werden ;)https://www.facebook.com/photo.php?fbid=401897946594528&set=a.380203682097288.1073741830.100003229794650&type=3&theater

  7. Meinst du den Hecht vom Video Thomas? Laut Peter hat der 91cm. Ich find das kommt ganz gut hin. Gibt schließlich auch keinen Grund zu übertreiben 😉

  8. der hecht hatt doch koane 93 cm, ausser ma fahrt mim lkw drüber ;), aber sonst nett gemacht

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