Köderporträt: HMKL Alive Shad von Lurenatic im Test

Veröffentlicht von Dicht am Fisch. In der Kategorie Eric
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Veröffentlicht am November 26, 2015 , derzeit Keine Kommentare

Halb Wurm, halb Fisch: Der HMKL Alive Shad von Lurenatic

Bei manchen Ködern ist man sich nicht immer hundertprozentig sicher, ob man sie wirklich mag, ob man sie wirklich fischen soll und ob sie denn auch genauso gut fangen, wie bewährte Klassiker und Geheimtipps. So kommt es, dass manche Köder lange zu Unrecht ein Schattendasein in den Tackleboxen fristen müssen, bis sie endlich ihr Potenzial unter Beweis stellen dürfen. Einer dieser Köder war bei mir der HMKL Alive Shad, in Deutschland vertrieben vom Onlineshop Lurenatic.de.

Dabei hätte es so einfach laufen können: Ich hatte einige Testköder von Carsten, dem Betreiber von Lurenatic erhalten und hätte theoretisch direkt loslegen können, darauf schöne Barsche und Zander zu fangen. Wenn da nicht der Konjunktiv wäre. Die ersten Angeltrips danach liefen meistens ziemlich zäh und an den Spots angekommen, gab ich dann doch meistens den altbewährten Ködern den Vorzug oder konnte mich nicht überwinden, die Neulinge konsequent durch zu fischen, wenn längere Zeit nichts ging.

HMKL Alive Shad von Lurenatic

HMKL Alive Shad von Lurenatic

HMKL Alive Shad im Test

Seinen ersten richtigen Auftritt bekam der Köder, als ich nicht nur neue Köder, sondern auch neue Jigformen ausprobieren wollte und zu diesem Zweck ein paar Darting-Heads, dreieckig geformte Jigköpfe mit spezieller, besonders aggressiver Aktion beim Twitchen, ausprobierte. Diese funktionieren besonders gut mit sehr schlanken Ködern, ich wollte allerdings nicht komplett auf Aktion vom Köder selbst verzichten. Die schlanke Köderform des Alive-Shads erschien mir daher perfekt. Der erste Test dieser Kombination erfolgte bei einer extrem kurzen Session an der Alster, ich traf mich mit einem Angelkumpel aus der Hansestadt und wollte eigentlich nur ein paar schnelle Würfe machen, ohne große Ziele oder besonderen Ehrgeiz hinsichtlich des Fangerfolgs. Ohne Kamera, ohne Kescher und mit viel zu wenig Zeit kam ich mit Phillip am Spot an, er verließ mich kurz, um etwas in einer nahe gelegenen Bank zu erledigen. Die Sonne hatte sich gerade hinter dem Horizont verabschiedet und normalerweise wäre ich zu dieser Tageszeit gar nicht fischen gegangen, für Barsch war es zu spät, für gute Zanderfänge zu früh, soweit die Theorie. Trotzdem ließ ich den kleinen HMKL Shad entlang einer Spundwand durch die Dunkelheit unter Wasser hüpfen und schon nach einigen Würfen war die Rute krumm. Was ich zunächst für einen halbstarken Zander hielt, entpuppte sich schnell als angehender Dickbarsch von knapp unter 40cm Länge. Ohne Kescher gestaltete die Landung sich etwas schwierig, hektisch versuchte ich mit der iPhone Kamera ein paar schnelle Fotos zu machen und schon fiel der Stachelritter mir wieder ins Wasser (Die sind aber auch glitschig die Burschen…). Ein Blick auf die Bilder offenbarte das Elend: völlig überbelichtete Fotos mit Blitz, unscharfes und verschwommenes Grau auf dem Bild ohne Blitz. Das ging ja gut los. Trotzdem gibt jeder Fang ein ordentliches Vertrauensplus für den jeweiligen Köder, das Gespann aus schlankem Shad und Spezialjig gefiel mir und hätte eigentlich direkt beim nächsten Angeltrip wieder zum Einsatz kommen können. Leider fuhr mir der Winter mit einer gehörigen Portion Frost und Eis in die Parade und ich musste den weiteren Test erneut vertagen.


Zeitsprung in den Januar: Ich fische in einem Rheinhafen, habe bereits meinen ersten 40+ Barsch und einen weiteren schönen, etwas kleineren Artgenossen gefangen, allgemein läuft die Angelei gut und meine beiden Mitangler und ich fangen Zander und Barsch „in the Mix“. Kay hat das Vergnügen eine ausserordentlich große Plötze auf Gummi zu fangen und allgemein scheint einfach alles im Wasser unter uns recht großen Appetit zu haben. Perfekte Bedingungen, um vom Erfolgsrezept des Tages bis zu diesem Moment, dem Dropshot Rig mit sehr realistischen Fischimitaten, einmal abzuweichen und den HMKL Shad ins Rennen zu schicken. Schnell erweist sich diese Entscheidung als goldrichtig, denn schon beim ersten Ablassen an einer vertikalen Struktur findet der schlanke Gummifisch am 7g Rundkopfjig einen Abnehmer, der ziemlich energisch einsteigt und meine kleine Spinnrute, eine Major Craft Go Emotion GES-632 UL, hart herumreißt und sofort in die Bremse geht. Untypisch sowohl für Barsch, als auch für Zander. Fast wie ein kleiner Karpfen nimmt der Fisch immer wieder schnell Schnur und blitzt hell auf, ähnlich dem zuvor gefangenen, kapitalen Rotauge meines Mitanglers. Tatsächlich findet nach kurzem, aber hektischen Drill ein weiteres, außergewöhnlich großes und dickes Rotauge den Weg in unseren Kescher. Mein neuer Plötzen-PB liegt nun bei satten 43cm, gefangen auf einen Gummiköder am Jig, verrückte Welt im Rhein. Dass Plötzen in Räuberstimmung an diesem Tag keine Ausnahme sind, bestätigt uns ein späterer Fang einer weiteren dicken Plötze auf einen am Dropshot-Rig angebotenen echten Köderfisch.

Fette Plötze auf den HMKL Alive Shad

Fette Plötze auf den HMKL Alive Shad

Seit dem kuriosen Fang zu Jahresbeginn hat der schlanke Shad seinen Stammplatz in meinen Boxen sicher und hängt regelmäßig im Snap, bzw. am Vorfach. Immer wieder bestätigt sich die Wahl des Köders als gute Entscheidung und viele kleine und mittelgroße Barsche und Zander fallen auf das schlanke Beuteimitat herein. Selbst als ich Anfang Juli am Edersee der Verzweiflung nahe bin, weil es einfach grottenschlecht läuft, schafft es der Köder im Mittelwasser angeboten selbst in extremer Flaute, doch noch den ein oder anderen Barsch von sich zu überzeugen. Schließlich kann ich dort sogar meinen ersten Ederseezander auf den HMKL Shad fangen und auch Hechte scheinen dem Köder nicht abgeneigt, was dort allerdings meist in Abbissen beim Barschangeln resultiert.

Der Test bezüglich der Fängigkeit ist soweit gelungen und mir gefällt der HMKL Alive Shad so gut, dass er inzwischen den gleichen Status in meinen Boxen genießt, wie sonst nur die bewährten Modelle, z.B. von Keitech. Das verdankt der japanische Shad aber nicht nur dem Fangerfolg selbst. Die Gummimischung ist deutlich stabiler, als man es von japanischen Softbaits gewohnt ist. Mir ist bis heute bei keinem der Shads der Schwanzteller abgebissen worden, lediglich komplette Abbisse oder vollständiges Abziehen des Köders von Straight Jigheads, bei denen der Shad nicht auf den Haken selbst, sondern einen darunter liegenden Dorn aufgezogen wird, hatte ich zu beklagen. Dafür kann der Köder aber schließlich nichts. Der Haltbarkeit kommt wohl auch zu Gute, dass bei der Herstellung scheinbar auf die, inzwischen schon bei fast allen Herstellern verbreitete, Zugabe von Salz bei der Gummimischung verzichtet wurde. Zwar schreiben viele Angler, mich eingeschlossen, dem Salzgehalt mancher Köder eine Fangsteigernde Wirkung zu, ähnlich dem ebenfalls weit verbreiteten Lockstoffzusatz im Gummi, allerdings geht das wasserlösliche NaCl im Köder auch immer zu Lasten der Haltbarkeit, denn die Salzkristalle reiben das Gummi auf und Lösen sich im Wasser auf, Hohlräume im Köder entstehen, ähnlich einem Schwamm. Der HMKL Shad kommt gut ohne Salz aus, ein Lockstoff aus aus echten Garnelen, Öl und Aroma soll dennoch drin sein. Sichtbar ist der nicht direkt, der Ködergeruch lässt aber vermuten, dass durchaus nicht am Geschmacksverstärker gespart wurde.

Für Barsche und Zander ist der HMKL Alive Shad top!

Für Barsche und Zander ist der HMKL Alive Shad top!

Bunte Auswahl für diverse Zwecke

Mit einer Auswahl von 7 verschiedenen Dekoren, überwiegend recht natürlich gehalten, bietet der HMKL Shad die Möglichkeit, verschiedenste Fischnährtiere nachzuahmen. Von typischen Beutefischdekoren wie Wakasagi, Shirauo und Silver Shiner, die zum Beispiel Lauben, Stinte oder Sandaale imitieren können, über dunkle Farben wie Green Pumpkin, Purple Winnie und Cinnamon Blue Flake, die in Zusammenhang mit der schlanken Form und je nach Führung wohl auch als Wurm- oder Larvenimitat durchgehen, bis hin zu der leicht abstrakten Farbe „Cherry Shad“ , einem leichten Pink, dass entweder einfach als Farbe ein bisschen schockt und nichts weiter imitiert, oder mit ein bisschen Fantasie, zum Beispiel in Brack- und Salzwasser Garnelen nachahmen kann, ist für jeden etwas dabei. Meine Favoriten waren Cinnamon Blue Flake für Barsch und verrückten Beifang, Zander mochten eher das natürliche, subtile Wakasagi.

Farbauswahl des Shads

Farbauswahl des Shads

HMKL Alive Shad: Aktion & Rigging-Optionen

Die doch relativ klassische Schaufelschwanzaktion des Köders passt natürlich hervorragend zum klassischen Jiggen, womit ich auch bisher die meisten Erfolge verbuchen konnte. Aber natürlich bietet der schlanke Gummiköder durch sein schmales Profil auch die Möglichkeit, sich mit Finesse-Rigs auszutoben. Obwohl weder mit Bauch-, noch mit Rückenschlitz versehen, passt der Shad wunderbar auf Offsethaken der Größen 1-4 (Gemessen an Gamakatsu G-Code Worm Offset EWG) und kann so auch am Texas- odr Carolina Rig durch krautige Gewässer gefischt werden, ohne seinen Reiz durch ungewolltes Aufsammeln von Laub und anderem Unrat zu verlieren. Der Hersteller empfiehlt als weitere Präsentationsmöglichkeit zudem das „Chikubi-Rig“, was zwar kompliziert klingt, aber eigentlich nichts anderes ist, als eine Softjerkmontage (Offsethaken ohne Beschwerung), bei der in den Köder eine Tungstennadel, ein sog. „Insert-Weight“ eingeführt wird, die im Bauchbereich, wie ein Kiel, stabiliserend wirkt und den Köder ein wenig auf Tiefe bringt. Ich konnte diese Montage bisher nicht selbst testen, in klaren, viel befischten Gewässern oder bei vorsichtigen Fischen, z.B. Forellen in klaren Bächen, bietet sich diese Montage durchaus an.


Verbesserungsbedarf:

Seit ich den HMKL Alive Shad nutze konnte mir der Köder viele schöne Fische bescheren, hat dabei durch Haltbarkeit und gute Farbauswahl bestochen und sich einen Stammplatz in meinen Boxen beim Barsch- und leichten Zanderangeln gesichert. Einziger Kritikpunkt für mich: Die Verpackung, ein wiederverschließbarer, transparenter Blister, sorgt bei manchen Ködern für Deformierungen im Schwanzbereich, die den Lauf beeinträchtigen können. Bei den meisten Ködern stellte sich die Ursprungsform beim Fischen wieder her, trotzdem würde ich mir als Kunde wünschen, dass der Hersteller solche Probleme von Haus aus vermeidet. Sieht man von diesem zugegebenermaßen sehr kleinen Kritikpunkt ab, bin ich sehr zufrieden mit dem schlanken Beutefischimitat und kann guten Gewissens eine klare Kaufempfehlung dafür abgeben. Wer eine Alternative zu bewährten Beutefischimitaten sucht, mit dem Barschangeln anfängt oder einfach gerne neue Softbaits probiert, wird den Kauf nicht bereuen.

Den Shad ´bekommt Ihr online bei Lurenatic.

Beste Grüße und TL
Eric

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